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Ismail Haniyeh: "Die Aufhebung der Gaza-Blockade muss geschehen."

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Ismail Haniyeh: "Die Aufhebung der Gaza-Blockade muss geschehen."

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Nach dem Angriff der israelischen Streitkräfte auf die Gaza-Hilfsflotte wurde international die Forderung laut, die Blockade des Gaza-Streifens zu beenden. Euronews hat vor Ort Ismail Haniyeh getroffen. Der frühere Ministerpräsident der palästinensischen Autonomiegebiete zählt zu den sogenannten “Top Five” der Führer der militanten Hamas.  
  

Euronews:  
“Nach dem israelischen Angriff auf die Hilfsflotte haben sie die Aufhebung der Blockade des Gaza-Streifens gefordert. Viele Länder schließen sich diesem Appel an. Hat die Hamas in dieser Geschichte einen Sieg für sich verbuchen können?”
 
Ismail Haniyeh:
“Die Geschehnisse sind ein Sieg für die Menschheit und weltweit für alle, die ein Gewissen haben. An Bord der Hilfsflotte waren Menschen unterschiedlicher Herkunft, sie hatten weder den gleichen Glauben noch die gleichen politischen Ansichten. Aber sie alle forderten die Aufhebung der Blockade des Gazastreifens.Durch die Hilfsflotte haben wir einen Wendepunkt erreicht, die Aufmerksamkeit der ganzen Welt ist jetzt auf Gaza gerichtet. Unserer Ansicht nach, ist das was geschehen ist, ein Sieg für Gewissen und Gerechtigkeit und eine Niederlage für die Besatzung, eine Niederlage für das Unrecht, das dem palästinensischen Volk angetan wird.”
 
Euronews:
“Ihre Forderung die Blockade des Gazastreifens aufzuheben wurde von der internationalen Gemeinschaft nach dem Angriff auf den Hilfskonvoi unterstützt. Viele sehen das als einen Erfolg, den die Hamas nicht mit der palästinensischen Führung teilen will. Dafür spricht, dass sie sich nach dem Vorfall geweigert haben, die offizielle palästinensische Abordnung zu treffen.”
 
Ismail Haniyeh:
“Die Forderung die Gaza-Blockade aufzuheben hat in der Tat internationale Aufmerksamkeit bekommen. Die Menschen sind von der Besatzung und dem Verbrechen, das Israel bei dem Angiff auf die Hilfsflotte begangen hat, betroffen. Eine nationale Versöhnung zwischen Fatah und Hamas ist nur möglich, wenn eine Einigung über die Anmerkungen der Hamas zu dem ägyptischen Abkommen zustande kommt.”
  
Euronews:
“Was halten sie von der Untersuchungskommission, die Israel ins Leben gerufen hat, um den Vorfall aufzuklären?”
 
Ismail Haniyeh:
“Es ist Augenwischerei und für uns alle inakzeptabel. Dieses Spiel Israels mit den Untersuchungsverfahren ist nicht annehmbar für die Menschen, die sich an Bord des Hilfskonvois befanden. Wir fordern mit Nachdruck eine unabhängige, transparente internationale Untersuchung der Ereignisse im Mittelmeer.”
 
Euronews:
“Sie fordern eine umfassende und transparente Untersuchung. Doch im Rahmen des Goldstones Berichts über den Gazakrieg sollten sie eine unabhängige Untersuchung der Kriegsverbrechen der Hamas während der Angriffe der Israelischen Armee durchführen. In ihrer Schlußfolgerung haben sie die palästinensischen Fraktionen von jeglicher Schuld freigesprochen. Und Israel ist in der Untersuchung seiner Verbrechen zum gleichen Schluß gekommen.”
 
Ismail Haniyeh:
“Es gibt einen großen Unterschied zwischen dem Goldstone Bericht und diesem Verbrechen. In beiden Fällen sind die Zionisten die Kriminellen. Sie haben in Gaza und auf dem Mittelmeer Verbrechen begangen. Die Hamas hat umfassende Untersuchungen durchgeführt und die Ergebnisse dem Generalskretär der Vereinten Nationen übergeben. Und was die interne Untersuchung in Palästina betrifft, respektieren wir die Schlußfolgerungen des Goldstone Berichts.”
 
Euronews:
“Was halten Sie von dem Vorschlag, dass die EU die Begutachtung der Gaza-Hilfskonvois übernimmt?“  
 
Ismail Haniyeh:
“Uns wurde bis dato kein offizieller Vorschlag unterbreitet. Sollten wir einen erhalten, werden wir ihn natürlich untersuchen und dazu Position beziehen. Die Aufhebung der Blockade muss geschehen, es sollte keine Formalität sein. Wir fordern einen Zugang zum Mittelmeer. Die Präsenz der Europäer in internationalen und regionalen Gewässern halten wir für eine gute Idee. Wir haben nichts dagegen, wenn sie von Häfen in Griechenland, der Türkei und Zypern aus, überwachen, was zum Gaza-Streifen vordringt.“ 
 
Euronews:
“Doch ohne die Einmischung Israels?“ 
 
Ismail Haniyeh:
“Ja, ohne Einmischung Israels auf See, an Land oder beim Rafah-Übergang. Wir haben nichts dagegen, wenn die Europäer den Rafah-Übergang wieder kontrollieren, doch wir sind gegen die Präsenz Israels an diesem Ort. Das ist unsere Einstellung.”
 
Euronews:
“Dschihad-Bewegungen wie die Armee des Islams  und die Soldaten Gottes, die ähnliche Ideen wie Al-Quaida vertreten, sind im Gaza-Streifen aufgetaucht. Sind sie in der Lage diese Bewegungen zu kontrollieren, insbesondere nach den jüngsten Ereignissen?”
  
Ismail Haniyeh:
“Wir sollten hier nicht von einem Phänomen sprechen, denn die Dschihadisten sind nicht weitverbreitet und haben keinen Einfluss im Gaza-Streifen.”
 
Euronews:
“Doch wenn drei Bewegungen in einem so kleinen Sektor wie Gaza auftauchen, handelt es sich dann nicht um eine ernstzunehmende Präsenz?”
 
Ismail Haniyeh:
“Es gibt viele Namen und Bezeichnungen, doch ihr politischer Einfluss ist begrenzt. Allein die PLO besteht aus 14 Fraktionen, jede trägt ihren eigenen Namen. Doch in Bezug auf den politischen Einfluss gelten folgende Fakten: ein Großteil der Einwohner des Gazastreifens vertreten einen gemäßigten Islamismus. Die militante Hamas, die den Gaza-Sektor anführt, hat diese Ideologie übernommen. Es gibt keine Al-Quaida Organisationen im Gaza-Streifen.“    
 
Euronews:
“Doch die Dschihad-Bewegungen stehen Al-Quaida nah und die Hamas hat vor kurzem Anführer dieser Bewegungen umgebracht.”
 
Ismail Haniyeh:
“Sie vertreten vielleicht die gleichen Ideen, doch im Gaza-Streifen gibt es keine Al-Quaida-Organisationen.”
 
Euronews:
“Der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas hat den US-Präsidenten getroffen, um indirekte Verhandlungen wieder aufzunehmen.
Welche Haltung vertritt die Hamas?“ 
 
Ismail Haniyeh:
“Die direkten Verhandlungen der letzten 18 Jahre haben nichts gebracht. Was kann man dann von indirekten Verhandlungen erwarten?
In vier Monaten gab es in keinem Bereich einen Durchbruch, sei es bei dem Jerusalem-Problem, den Flüchtlingen, der Staatssouveränität oder bei den Grenzen. Weder die direkten noch die indirekten Verhandlungen können angesichts der Unnachgiebigkeit Israels zu Ergebnissen führen.”
 
Euronews:

“Der palästinensische Präsident hat bei seinem Besuch in den USA erwähnt, dass die palästinensische Führung künftig NATO-Truppen in Palästina akzeptieren könnte. Was halten sie davon?”
 
Ismail Haniyah:
“Wir brauchen einen Staat mit voller Souveränität und Freiheit. Die Palästinenser sollten ihr Land ohne Einmischung von außen führen.”