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MUSIC - überall Anschluss für Arbeits- und Spassnomaden

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MUSIC - überall Anschluss für Arbeits- und Spassnomaden

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Streik bei der Metro? Frankreich Fussballweltmeister ? Die meisten der 4,5 Millionen U-Bahn-Benutzer in Paris sind für solche Informationen in Echtzeit erreichbar – theoretisch. Sie haben ein tragbares Telefon in der Tasche.

Eine neue digitale Technologie soll diese Art von Kommunikation erleichtern – Smartphones und andere mobile Geräte verbinden, unabhängig von vorinstallierten Betriebssystemen oder aufwendigen Updates. Die Idee: die Elektronik rekonfiguriert sich selbst, passt sich an an die sich ständig verändernde Umwelt der Arbeits- und Spassnomaden von heute.

MUSIC – das heisst “Mobile Users In Ubiquitous Computing” – ist eine Plattform auf Open-Source-Basis, Ergebnis eines europäischen Forschungsprojekts. Die nahezu frei zugängliche Software soll helfen, eine neue Generation von mobilen Anwendungen zu entwickeln – unabhängig von Einschränkungen und Hürden unterschiedlicher Standards.

An dem anwendungsneutralen Programm – auf denglisch “Middleware” genannt – haben 15 Forschungspartner aus europäischen und nicht-europäische Ländern gearbeitet. Das Softwarepaket
läuft auf jedem Betriebssystem, das mit der Programmiersprache Java kompatibel ist – zum Beispiel Android oder Windows Mobile. Beim iPhone dauert’s noch.

Die technischen Möglichkeiten geben der Phantasie Futter: Von der Kommunikation in lokalen Netzwerken, Touristeninformation an Ort und Stelle bis zum Sonderservice für Reisende mit eingeschränkter Mobilität.

PRM (Passengers with Reduced Mobility) zum Beispiel hilft Rollstuhlfahrern, sicher und autonom mit unbekannten öffentlichen Verkehrsmitteln vorwärts zu kommen. Hindernissen und Hürden kann man so ausweichen, behindertengerechte Wege vorab erkennen. Bei Bedarf wird Kontakt zu einem Helfer hergestellt.

Hossein Rahnama, Ryerson University, Toronto:

“Wir tummeln uns auf einem Gebiet, das wir “Context Aware Computing” nennen – Computern mit offenen Augen. Hier kann das soziale Profil des Reisenden in die gelieferten Informationen eingehen, sein Standort, seine Geschwindigkeit in der U-Bahn. Ich kann auch jede Metrostation anklicken, nachschauen, welche Reisenden dort unterwegs sind, wie sie sich vorwärts bewegen, – sind das vielleicht ältere Fahrgäste – und dann schicke ich ihnen die passende Botschaft. “

In der Stadt gibt es für Gäste den “Tourist Travel Assistant”. Dieses intelligente System nimmt Papa die Tagesplanung ab: welches Besuchsprogramm ist interessant und machbar – da, wo man gerade ist. Das Programm spuckt nicht nur die obligatorischen Sehenswürdigkeiten aus. Sondern auch, wie lang die Schlange vor dem Louvre oder dem Reichstag ist und wie man vorab an ein Ticket kommt.

Jorge Lorenzo, Telefónica, Spanien:

“Über die MUSIC-Plattform können verschiedene mobile Anwendungen ihre Informationen auch kombinieren. Das Touristenprogramm “Travel Assistant” zum Beispiel kann aktualisiert werden, durch Informationen wie “da hat jemand ein Problem” oder “Verspätung” oder “die Leitung ist besetzt.”

Vom Start im Oktober 2006 weg, verfolgte MUSIC ehrgeizige Ziele. Viele galten damals noch als visionär. Der Grund: Vor vier Jahren war die Rechenleistung der mobilen Geräte noch sehr viel niedriger als heute. Und einige Verkaufsschlager waren noch gar nicht in Sicht.

Die Herausforderung: Systeme in Gang zu bringen, die immer komplexer werden. Gleichzeitig sollten sie weniger anfällig werden. Dazu Geir Horn (Sintef), er hat die Forschung koordiníert:

“Als wir mit dem Projekt loslegten, hatte von iPhone oder Android noch keiner eine Ahnung. Diese Smartphones konnten wir uns nur vorstellen – und dass eines Tages das Telefon Funktionen anderer digitaler Geräte übernimmt. Wir nahmen einfach an, dass man die Rechner eines Tages in die Tasche steckt.

Wie es weitergeht mit der Computertechnik ?
Der Schlüssel für die künftige Entwicklung heisst Anpassung. Die Systeme werden immer komplexer. Sie sind uns inzwischen allen über den Kopf gewachsen. Kein Programm, nicht mal eine Gruppe von Programmen kann da den Überblick behalten. Also sind Fehler im System gar nicht zu vermeiden, Fehler beim Programmieren. Ein System sollte sich deshalb anpassen können, diese Probleme überwinden, anstatt einfach abzustürzen, wie uns das heute immer wieder passiert”.

Ganz und gar virtuell ist das wissenschaftliche Projekt MUSIC aber nicht. Initiiert wurde es in der durchaus greifbaren Stadt Trondheim in Norwegen. Von Wikinger-König Olaf im Jahre 997 gegründet, ist sie heute drittgrößte Stadt des Landes, hier sitzen die wichtigen technischen Hochschulen und viele private Stiftungen.

In Trondheim wird das Programm koordiniert. Am Anfang stand eine Grundsatzentscheidung: Die Software sollte frei zugänglich werden und frei veränderbar – durch die Endanwender. Svein Hallsteinsen, einer der verantwortlichen Forscher sagt, warum:

“Eine freie Software ist der Grundstein für Nutzergemeinden, die die Entwicklung der Technologie weiterbetreiben, auch wenn das Projekt abgeschlossen ist.”

In Trondheim ist MUSIC auch schon im Einsatz. Zum Beispiel “Instant Social” in einigen öffentlichen Verkehrsmitteln. Über diese Anwendungssoftware, kurz “App”, haben die Fahrgäste Zutritt zu einer Art “Chatroom” und können Informationen austauschen, zum Beispiel Fotos.

Svein Hallsteinsen:

MUSIC nutzt ein besonderes Protokoll. Dieser
Kommunikationsstandard namens SLP (Service Location Protocol) kann feststellen, ob ein bestimmtes Programm gerade auf einem anderen Gerät läuft und mit ihm in Kontakt treten. Wir nutzen diese Möglichkeit, um aus Menschen mit ähnlichen Interessen Gruppen zu bilden.

Ich starte so ein App also, wenn ich in den Bus steige. Machen andere das auch, können wir uns mit Hilfe unserer Mobiltelefone erkennen.”

So knüpft MUSIC automatisch ein Netzwerk zwischen einzelnen Geräten – und Menschen. Dieses Netz braucht keinen zentralen Server. Es bringt die einzelnen Nutzer per Rechner-Rechner-Verbindung (Peer-to-Peer-Modus) zusammen.

Software-Entwicklern soll MUSIC als solide Plattform dienen. Und die nächsten Stufen sind auch schon in Sicht – besser gesagt, eine ganze Treppe.

Projektkoordinator Geir Horn, Sintef:

“Wir basteln jetzt an Anwendungen für Bankkunden und dann ist das intelligente Haus dran. Damit sich Ihre Wohnung auch an Ihre Wünsche hält. “

MUSIC hat nach Expertenmeinung gute Chancen, einmal die Feld- , Wald- und Wiesen-Plattform für alle zu werden, anpassungsfähig und dynamisch.

Nach dem Motto: “Ich kommuniziere, also bin ich. “

http://www.ist-music.eu