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Wer gegen wen in Kirgistan?

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Wer gegen wen in Kirgistan?

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Im ehemals sowjetischen Mittelasien brechen wieder einmal die nie gelösten ethnischen Konflikte auf. Inzwischen vermischt mit diversen politischen und wirtschaftlichen Interessen. Dies sind Amateuraufnahmen vom 12. Juni aus Jurkischlak an der Grenze zwischen Kirgistan und Usbekistan.

Diese Flüchtlinge sind überwiegend kirgisische Staatsbürger usbekischer Abstammung. Die usbekische Minderheit lebt vor allem im Osten, in der Region um die Stadt Osh. Oder muss man schon sagen – lebte???

In Osh haben am 10. Juni die Übergriffe begonnen. Vermummte Männer zündeten Häuser von Usbeken an und schossen auf flüchtende Menschen. Häuser, die mit dem Wort “kirgisisch” gekennzeichnet waren, wurden verschont.

Zu jenen, die in Panik geflohen sind, gehört auch Iroda Turadschonowa mit ihren Kindern. Eine Uskebenfamilie. Weinend berichtet sie vom niedergebrannten Haus, von geschlagenen Frauen und getöteten Männern. “Warum? Warum?”, schluchst sie immer wieder. “Wir alle brauchen Frieden . Wir wollen hier bleiben, wo wir geboren sind.”

Die Regierung beschluldigt die Anhänger des gestürzten Präsidenten Bakijew, diese Unruhen angezettelt zu haben, um so in Bischkek wieder an die Macht zu kommen.

Der Politikwissenschaftler Schairbek Jurejew hält nichts von dieser These. Er spricht vom ethnischen Charakter der Unruhen. Wenn man den leugne und statt dessen nur Bakijew beschuldige, diene das auf keinen Fall einer langfristigen Lösung des Problems.

Die explosive Mischung von Problemen wird bei einem Blick in die Geschichte klar. Usbeken, Kirgisen und Tadjiken sollten sich einst als befreundete Sowjetvölker das fruchtbare Ferganatal teilen. Inzwischen leben sie in Staaten mit durchaus rivalisierenden Interessen. Außerdem sind nicht gepflegte Bewässerungsanlagen verfallen, die Erträge etwa bei Baumwolle sind zurückgegangen.

Und dann spielen auch noch radikale Islamisten mit beim Machtpoker in der Region. Egal ob als wirklich vorhandene Gruppe mit Verbindungen zu al Kaida oder nur als Drohkulisse, die Regierungen als Vorwand für harten Durchgreifen dient.