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Literat Saramago: Streitbarer Bauersjunge

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Literat Saramago: Streitbarer Bauersjunge

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76 Jahre war er alt, als sich die literarische Welt ihm zu Ehren erhob – bei der Verleihung des Nobelpreises für Literartur, Jahrgang 1998, an José Saramago. Da war aus dem Sohn einer Landarbeiterfamilie längst der bedeutendste zeitgenössische Romancier Portugals geworden.

Als sein erfolgreichster Roman gilt “Das Memorial” von 1982. Der wiederum ist in der Entwicklung des Autors untrennbar verbunden mit dem zwei Jahre zuvor veröffentlichten Buch “Hoffnung im Alentejo”.

Saramango hatte sich als Handwerker und Angestellter durchgeschlagen, ehe er zur Literatur fand. Ab 1968 schrieb er für politische und literarische Zeitungen und wurde ein Jahr darauf Mitglied der verbotenen Kommunistischen Partei.

Mit der “Nelkenrevolution” von 1974 schlug auch für ihn die Stunde der Heimkehr. Für die ersten Monate der neuen Zeit führte er als Chefredakteur die älteste Zeitung des Landes “Diario de Noticias”,

Über die Nelken-Revolution sagte er, nach dem Ende der Kolonialzeit sei Portugal zu seinem Ausgangspunkt zurückgekehrt. Die portugiesische Geschichte müsse so dargestellt werden, dass die Leser ihre eigenen Gesichtspunkte veränderten. In diesem Sinne scheute er auch vor Konflikten nicht zurück.

1992 erschien “Das Evangelium nach Jesus Christus”, ein Roman, gegen den die katholische Kirche Strum lief, aber auch die damalige konservative Regierung. Was nichts daran änderte, dass der Autor gerade für dieses Buch den wichtigsten portugiesischen Literaturpreis erhielt, den Premio Camoes. Dennoch wanderte der mit der spanischen Übersetzerin Pilar del Río verheiratete Autor auf die spanische Insel Lanzarote aus.

Nach den Jahren des Lernens, den Jahren der Entbehrungen, brachen nun für José Saramago die wahren Jahre des Erfolges an. Preis folgte auf Preis. Nachdem er 1998 als erster portugiesischer Nobelpreisträger für Literatur aus Stockholm heimkehrte, wurden ihm die Schlüssel der Stadt Lissabon überreicht.

Das hinterte ihn aber nicht daran, weiterhin politisch aktiv zu sein. Der 2002 an die Macht gekommenen rechten Regierung unter dem späteren EU-Kommissionspräsidenten Borroso stand der Schriftsteller sehr kritisch gegenüber. 2004 trat er auf der Liste der Kommunistischen Partei zur Europa-Wahl an. Seine 2002 in Ramallah getätigte Äußerung, die Israelis hätten Palästina in ein Konzentrationslager verwandelt, nahm er trotz heftigen Protests nicht zurück.

Zuletzt brachte der Autor in Portugal “Die kleinen Memoiren” heraus, seien Autobiografie, die mit dem 15. Lebensjahr endet. “Diese Zeit hat mich am meisten geprägt, im Grunde bin ich ein Bauersjunge geblieben”, sagte er. José Saramago starb an diesem Freitag im Alter von 87 Jahren in seiner Wahlheimat Lanzarote.