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Transit nach Europa vom Gasstreit bislang unberührt

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Transit nach Europa vom Gasstreit bislang unberührt

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Russland hat wie angedroht angefangen, den Weißrussen wegen unbezahlter Rechnungen das Gas abzudrehen, zunächst um 15 Prozent. Auf bis zu 85 Prozent wollen die Russen die Lieferung drosseln, falls Weißrussland nicht in Kürze bezahlt.

Die europäischen Kunden dürfte dies nicht so treffen wie beim russisch-ukrainischen Gasstreit: Diesmal ist Sommer. Und der weißrussische
Vizeenergieminister versichert: “Wir ergreifen natürlich alle Maßnahmen, um die Durchleitung nach Europa zu gewährleisten, damit die Kunden keine Engpässe oder Versorgungsschwankungen zu spüren bekommen.”

Russland will allerdings Engpässe für die Kunden in Europa nicht ausschließen.

Durch Weißrussland werden gut zwanzig Prozent der russischen Gaslieferungen nach Europa geleitet. In der EU wurde am Montag eine Krisensitzung mit Experten abgehalten. Eine Kommissionssprecherin erklärte, falls Weißrussland wirklich die Durchleitung stoppe, würden drei Länder betroffen: Erstens Litauen, das zu 100 Prozent vom russischen Gas abhänge. Dort könne aber Lettland einspringen. Polen und Deutschland würden indirekt beinträchtigt, da sie mit dem Gas, das aus Weißrussland kommt, ihre eigenen Speicher auffüllten.

Weißrussland bot an, Russland die ausstehenden knapp 200 Millionen US-Dollar Schulden in Naturalien zu zahlen oder im Gegenzug zu rund zweihundert Millionen Dollar, die Russland ihm für die Gas-Durchleitung überweisen soll. Beides wurde von Russland abgelehnt.

Beobachter sehen hinter dem Gasstreit eine Maßregelung Russlands für Weißrusslands Präsidenten Lukaschenko, der sich unter anderem nicht zu einer Dreier-Zollunion mit Kasachstan drängen lassen wollte.