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"Der Konflikt um das Gas ist so gut wie gelöst"

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"Der Konflikt um das Gas ist so gut wie gelöst"

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Der Gasstreit zwischen Russland und Weißrussland ist beigelegt – wenigstens vorerst. Euronews-Reporter Denis Loktev hat dazu mit dem Gazprom-Sprecher Sergej Kupriyanow über die Haltung des russischen Gaskonzerns Gazprom und die Perspektiven für die Zukunft gesprochen.

euronews:
Herr Kupriyanow, der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko meint, es gebe keine wirtschaftliche Grundlage für diesen Konflikt. Tartsächlich hat Gazprom ebenfalls Schulden bei Minsk, sogar sehr hohe Schulden. Warum also wurde der Gashahn zugedreht?

Sergej Kupriyanow:
Wir haben uns wiederholt mit einem ganz legitimen Anliegen an unsere weißrussischen Kollegen gewandt, mit der Bitte, die aufgelaufenen Gebühren für die Gasversorgung zu bezahlen. Aber das ist nicht geschehen, bis jetzt. So ist diese gegenseitige Schuldensituation entstanden. Aber wir haben nur in absoluter Übereinstimmung mit dem Vertrag gehandelt, der die Grundlagen der Preisgestaltung und die Richtlinien für die Festlegung der Transitgebühren regelt.

euronews:
Alexander Lukaschenko hat gesagt, dass Weißrussland seine Schulden innerhalb von zwei Wochen bezahlen würde. Warum haben Sie nicht so lang gewartet?

Sergej Kupriyanow:
Wir haben gewartet, nicht nur zwei Wochen, sondern sehr viel länger. Minsk hat bereits im März einen Aufschub von zwei Wochen bekommen, dann im April. Jetzt haben wir Juni.

euronews:
Minsk hat andere Erklärungen für Ihre Unnachgiebigkeit. Dort heißt es, Gazprom werde als Instrument benützt, um politischen Druck auf Weißrussland auszuüben, kurz vor den Präsidentschaftswahlen. Was sagen Sie dazu?

Sergej Kupriyanow:
In diesem Fall sollte der, der A sagt, auch B sagen: Von welchem Druck ist die Rede und welche Ziele sollten wir damit erreichen wollen? Der Konflikt ist jetzt so gut wie gelöst. Was haben wir erreicht, außer dass wir das Geld bekommen haben, das wir sowieso bekommen hätten?

euronews:
Sie sagen, der Konflikt sei beigelegt. Aber die Differenzen beim Preises und den Gebühren bleiben bestehen. Hat diese Episode im Gaskrieg also mit einem Friedensschluss geendet oder bloß mit einem Waffenstillstand?

Sergej Kupriyanow:
Ich habe gesagt, der Konflikt wurde gelöst, auch wenn es noch einige Dinge zu regeln gibt. Wir haben alle Gebühren für den Transit bezahlt, wie sie im Vertrag festgeschrieben wurden. Unsere weißrussischen Kollegen wollen die Gebühren erhöhen, aber sie wissen ganz genau, was sie dafür tun müssen. Es geht dabei um die Bedingungen für das weißrussische Gasunternehmen Beltransgaz auf dem weißrussischen Markt. Beltransgaz ist ein Joint Venture und uns gehören 50 Prozent. Aber unglücklicherweise wird es noch immer wie ein Ministerium verwaltet, nicht wie ein Unternehmen.

euronews:
Was passiert, wenn Weißrussland Ihre Bedingungen nicht erfüllt? Europa hat schon eine bittere Lektion gelernt, es gewöhnt sich an die Schwierigkeiten mit der Gasversorgung aus Russland in den Wintermonaten. Können Sie die Europäer beruhigen?

Sergej Kupriyanow:
Ich wiederhole: wenn der Vertrag dem Wortlaut gemäß von beiden Seiten erfüllt wird – und wir sind dazu selbstverständlich bereit! – dann gibt es keine Gründe für das Aufflammen eines neuen Konflikts. Aber wenn eine Vertragspartei die Bedingungen ändern will, kann es zu Problemen kommen. Das wollen wir nicht und das brauchen wir nicht.