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Lukaschenko: "Wir wollen ein souveräner Staat bleiben"

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Lukaschenko: "Wir wollen ein souveräner Staat bleiben"

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Der Streit zwischen Russland und Weißrussland über die Gaslieferungen hat einige Länder in Schwierigkeiten gebracht. Teilweise wurden die Probleme gelöst; Weißrussland hat seine Schulden bezahlt. Doch nun will Minsk von Moskau, Geld für die Durchleitung des russischen Gases nach Europa – der Streit geht also weiter. Weißrusslands Präsident Alexander Lukaschenko erkärt im Interview mit euronews-Reporter Alexei Doval, wie Russland seiner Meinung nach das Gas als Druckmittel einsetzt.

Euronews:
Nun haben Sie ja Ihre Schulden bei Moskau bezahlt…

Lukaschenko:
Ja, wie Sie sehen haben wir unsere Schulden bei Gazprom beglichen. Also bitte Gazprom, lass` das Gas wieder fließen. Litauen wie auch andere Länder beispielsweise Deutschland fühlten sich durch solche Restriktionen beleidigt. Das lag nicht an uns, sondern an Gazprom. Sie haben den Hahn zugedreht und nur noch 40 Prozent Gas geliefert. Das soll unsere Schuld gewesen sein?

Euronews:
Es gab eine Vielzahl von antirussischen Vorfällen in der letzten Zeit. Weißrussland hat Südossetien und Abchasien nicht anerkannt. Weißrussland hat dem ehemaligen Präsidenten von Kirgistan Asyl gewährt. Weißrussland ist der Zollunion nicht beigetreten. Steht der Gaskonflikt mit Russland nicht für etwas ganz anderes?

Lukaschenko:
Die Antwort ist vielschichtig. Russland ist an unserem öffentlichen Sektor interessiert, der noch nicht privatisiert ist. Sie wollen ihn für wenig Geld kaufen und sie mögen Präsident Lukaschenko nicht. Weil ich mich hundertprozentig für unsere Unabhängigkeit einsetze. Russland mag unsere Politik nicht und nimmt hier eine imperiale Haltung ein. Moskau will Weißrussland in seinem Einflussgebiet haben, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln.

Euronews:
Sie glauben also, dass der Streit ums Gas ein politisches Druckmittel ist?

Lukaschenko;
Das war die Gelegenheit. Sie sagen, es sei ein Streit zwischen zwei unterschiedlichen Systemen gewesen. Aber mit welchem Argumenten? Nachdem ich mich mit Dmitri Medwedew getroffen hatte, wollten wir alles überprüfen, auch Gas und Öl. Er wollte mich zurückrufen und das Ergebnis mitteilen. Zwei Tage später sehe ich Medwedew mit dem Chef von Gazprom wie bei einem Schauspiel. Sie stellten uns ein Ultimatum. Fünf Tage um zu zahlen. Weshalb? Sie schulden uns mehr als wir ihnen schuldeten. Warum bezahlen sie uns nicht? Kurz, es gab keinen Grund für den Streit. Sie schulden uns 260 Millionen und wir ihnen 187 Millionen. Es gab keinen Grund für diesen Streit.

Euronews:
Also, war es nur politischer Druck?

Lukaschenko:
Es geht darum, uns zu bestrafen. Im Fernsehen und in anderen Medien wird schon über die Präsidentschaftswahl in Weißrussland geredet. Es ist doch sonnenklar. Druck wird aufgebaut. Russland und unsere Opposition glauben, dass Lukaschenko nur mit der Zustimmung des Kreml im Amt bleibt, wenn er Weißrussland zum Schleuderpreis verkauft. Ich wiederhole, ich brauche keine Unterstützung die nicht aus Weißrussland kommt. Wenn die Weißrussen Petrov, Sidorow oder Ivanov wählen, wird dies der nächste Präsident.

Euronews:
Welchen Vorteil hat Russland von diesem Streit?

Lukaschenko:
Sie haben Europa erneut davon überzeugt, sich stärker nach alternativen Energien umzusehen. Und sie haben gezeigt, dass Europa nicht auf Russland zählen kann. Doch die wissen, was sie erwartet.

Euronews:
Es wird für Sie in vielen Fragen immer schwieriger einen Kompromiss mit Russland zu finden. Wird es für Sie nicht langsam Zeit, sich um 180 Grad zu drehen und den Weg nach Europa zu beschreiten?

Lukaschenko:
Sie wissen doch, dass erstens die meisten Politiker keine Umkehr tolerieren würden und Schleichwege hassen. Und zweitens, seien wir ehrlich: wartet Europa auf uns? Das Europa der 27 hat so viele Probleme, dass es kein Interesse an neuen Mitgliedern wie Weißrussland, der Ukraine und anderen hat. Ich sage nicht, dass Weißrussland Europa nicht mag, oder wir nicht so leben wollen wie sie. Das ist es nicht. Aber unsere Bevölkerung möchte im eigenen Land leben. Wir wollen keine Kehrtwende um 180 Grad. Wir wollen hier leben. In Frieden mit unseren Nachbarn Russland auf der einen, Europa auf der anderen Seite. Wir suchen keine Schwierigkeiten, außer uns zwingt man dazu. Wir bleiben wer wir sind. Ein souveräner, unabhängiger Staat, der niemandem Probleme bereitet.