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Vatikan verwahrt sich gegen Razzia in Belgien

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Vatikan verwahrt sich gegen Razzia in Belgien

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Das vatikanische Staatssekretariat hat die Polizeiaktion gegen die katholische Kirche in Brüssel scharf kritisiert. Damit sei ein Vertrauensbruch entstanden, schreibt das Staatssekretariat in einer Note. Die „tiefe Verwunderung“ des Vatikans wurde dem belgischen Botschafter beim Heiligen Stuhl auch persönlich mitgeteilt.

Im Zug von Ermittlungen wegen Missbrauchs von Kindern und Besitzes von Kinderpornografie hatte die Polizei in vier Einsätzen Büros im bischöflichen Palast des Erzbistums Brüssel-Mechelen durchsucht.

Kirchen-Anwalt Fernan Keuleneer
“Ich möchte betonen, dass in jedem der beschlagnahmten Computer diplomatische Korrespondenz zwischen der Erzdiözese und dem Heiliger Stuhl gespeichert ist. Sie steht normalerweise unter dem Schutz diplomatischer Immunität – der Fall ist also ziemlich ernst.”

Ziemlich ernst sind allerdings auch die untersuchten übergriffe:

Im April war der Bischof von Brügge, Roger Vangheluwe, wegen wiederholten sexuellen Missbrauchs eines Kindes zurückgetreten. Der 74-Jährige hatte eingeräumt, sich vor rund 25 Jahren wiederholt an einem Jungen vergangen zu haben – auch noch, als er bereits Bischof war.

Nach Medienberichten ging es bei den Ermittlungen darum, ob die katholische Kirche Belgiens in den vergangenen Jahren über Missbrauchsvorwürfe gegen Priester Bescheid wusste und ihre Erkenntnisse geheim hielt.

Dabei wurde nicht nur die Spitzen-Kurie in der Diözese Mechelen neun Stunden lang unter Kontaktsperre nach außen in einem Konferenzsaal festgehalten.

Die Polizisten nahmen auch 450 Akten aus einer Anlaufstelle für Opfer mit – der die Staatsanwaltschaft offenbar Vertraulichkeit zugesichert hatte.