Eilmeldung

Eilmeldung

Haben wir aus der Finanzkrise gelernt?

Sie lesen gerade:

Haben wir aus der Finanzkrise gelernt?

Schriftgrösse Aa Aa

New York ist nur eine von vielen Städte, die unter der Finanzkrise leiden. Hier sind Wirtschaftsbosse und Ökonomen zusammengekommen, um beim ersten „New York Forum“ über das Thema zu sprechen. Als Vertreterin einer europäischen Regierung erschien Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde, die den öffentlichen Zorn angesichts der Krise kennt: “Ich verstehe diesen Zorn nicht nur, ich teile ihn auch. Und ich hoffe, dass Banken und Finanzinstitutionen ihre Lektion für die Zukunft gelernt und verinnerlicht haben, damit sie nicht wieder in die Verhaltensmuster zurückfallen, die sie in der Vergangenheit gezeigt haben.”

Aber trotz der Reformpläne der Regierungen meinen manche, dass es den Politikern nach wie vor mehr darum geht, Wahlen zu gewinnen, als Lösungen zu finden. “Wir brauchen auf Regierungsebene eine gute Führung, in den USA und in Europa”, meint der ehemalige Fed-Chef James Wolfensohn, “und wir müssen erkennen, dass wir die Ausbildung unter die Lupe nehmen müssen, dass wir uns auf die Dinge konzentrieren müssen, in denen wir stark sind und dass wir einen fünf- bis zehnjährigen Plan erstellen müssen, um wieder zur Normalität zurückzukehren.”

Die Organisatoren des Forums wollen sicherstellen, dass die Stimme der Wirtschaft gehört wird. Aber manche Wissenschaftler fragen sich, ob man aus den Geschehnissen wirklich die richtigen Schlüsse gezogen hat – so wie Edmund Phelps, der 2006 den Nobelpreis für Wirtschaft gewonnen hat: “Gegen pathologisch spekulatives Verhalten kann man nichts tun. Darüber spricht niemand, aber hier liegt der Kern des Problems.” Ähnlich argumentiert Amar Bhide von der renommierten Harvard-Universität: “Wir verstehen die Grundlagen nicht, wir verstehen nicht, welche Risiken die Finanzbranche eingehen sollte. Natürlich muss sie Risiken eingehen, aber wir verstehen nicht, welche Risiken. Wir verstehen nicht, wie man ein Risiko eingehen kann und wer die Entscheidungen treffen sollte. Und weil wir das nicht verstehen, können wir nicht damit umgehen.”

Finanzinstitutionen widersprechen jenen, die meinen, dass man nach der Krise bereits wieder zum Alltag zurückgekehrt ist und dass nichts getan wurde, um verantwortungsloses Verhalten der Branche zu verhindern. Es hat sich viel verändert”, meint der Chef der Ratingagentur Standard and Poor’s, Deven Sharma, “etwa bei den Analysten. Wir haben Kontrollmechanismen installiert und es gibt mehr Transparenz, weil wir stärker offenlegen, was wir tun.” Dieser Meinung ist auch Deborah Bailey von Deloitte & Touche: “Die Finanzinstitutionen haben überprüft, was sie tun. Sie haben ihre Kontrollmechanismen verstärkt, sie haben Instrumente zur Risikoüberwachung installiert. Ich glaube, das Risikomanagement in diesen Institutionen hat sich stark weiterentwickelt.”

Zweifellos ist man in vielen Ländern der Ansicht, dass die Krise vorbei ist. Aber es gibt mahnende Stimmen, dass Regierungen, Unternehmen und Finanzmärkte mehr tun müssen als bloß zusammenzuarbeiten, um das öffentliche Vertrauen in die Finanzwelt wieder herzustellen.