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Spaß und Umweltfreundlichkeit in Glastonbury

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Spaß und Umweltfreundlichkeit in Glastonbury

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In jedem Jahr pilgern mehr als 170.000 Menschen nach Glastonbury. Trotz aller Bemühungen, die Umwelt zu schonen, ist das Musik-Festival in den vergangenen Jahren in die Kritik geraten. Anlässlich der jüngsten, der 40. Auflage des Festivals, wurde eine Reihe von Initiativen gestartet. Dabei ging man wissenschaftlich vor: Forscher der Universität von Oxford unter der Leitung von Catherine Bottrill führten Messungen zum CO2-Ausstoß der britischen Musikindustrie durch. “Die Musik-Industrie setzt jährlich mehr als eine halbe Million Tonnen Treibhausgase frei, etwa 15 Prozent gehen dabei auf das Festival zurück. Das sind nach meinen Schätzungen mehr als 80.000 Tonnen Kohlendioxid. Sie entsprichen dem jährlichen Ausstoß einer Ortschaft mit 8.000 Einwohnern”, erläutert die Wissenschaftlerin.

Die Infrastruktur war in den vergangenen beiden Jahren der Schlüssel für mehr Umweltfreundlichkeit. Für diese Ausgabe wurde ein neues Reservoir gebaut, das 2.000 Liter Wasser in das Netz einspeist. Trinkwasser steht damit allen zur Verfügung und muss nicht mehr mit Fahrzeugen herbeigeschafft werden. “Durch die Verringerung des Transports von Wasser und Abwasser ging der Kohlendioxid-Ausstoß um 25 Prozent zurück”, so Lucy Brooking Clark, die die grünen Initiativen koordiniert. Durch Investitionen in die lokalen Abwasser-Anlagen konnten 10.000 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden. In Zahlen: Früher waren 32 Fahrzeuge unterwegs, um die Abwässer 40 Meilen weit zu bringen. Heute beträgt der Transportweg acht Meilen und benötigt werden drei Fahrzeuge. Mit Hilfe eines neuen Projekts soll der CO2-Ausstoß des Festivals um 30 Prozent reduziert werden. “Wir wollen die größte private Solaranlage bauen, die 1.500 Quadratmeter umfassen soll. Sie wird 200 KW Energie herstellen, was etwa dem jährlichen Verbrauch von vierzig Haushalten entspricht. Das deckt zwar nicht den Verbrauch von Glastonbury, doch es deckt den Verbrauch der Hauptbühne während der gesamten Dauer des Festivals”, sagt Clark.

Eine Armee von 160 Umwelt-Polizisten informiert die Festival-Besucher darüber, was umweltfreundlich ist und was nicht. Besucher, die mal kurz zur Seite treten oder Zigarettenstummel fallen lassen, riskieren, nach Hause geschickt zu werden. Die grüne Polizei sorgt auch dafür, dass die Besucher die 40.000 Abfall-Tonnen nutzen, die zwei Mal täglich geleert werden. Was den Weg in die Tonne nicht findet, wird jeden Morgen von 950 Freiwilligen eingesammelt. Doch trotz der Aufforderung an die Besucher, keine Spuren zu hinterlassen, waren es im vergangenen Jahr 1.000 Tonnen. In Glastonbury wird der Abfall getrennt, was bei anderen Festivals eher selten ist. Täglich werden hier zwischen zehn und fünfzehn Tonnen Abfälle sortiert und verarbeitet. Im vergangenen Jahr wurden 49 Prozent der Abfälle wiederverwertet. Es gab 90 Tonnen Trockenmüll, 150 Tonnen wurden kompostiert. “78 Menschen arbeiten hier. Der Abfall kommt drüben herein und geht hier durch, wie man sehen kann. Die unterschiedlichen Stoffe werden getrennt: Dosen, Plastikflaschen, Müll, der kompostiert werden kann, und Glas. Glas ist zwar beim Festival nicht erlaubt, findet aber seinen Weg leider auch her”, meint Andy Willcott, der die Arbeit koordiniert. Umweltfreundlichkeit wird in Glastonbury ernst genommen, dem Spaßfaktor des Festivals tut das aber keinen Abbruch.