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"Wie ein Spionage-Thriller aus dem Kalten Krieg"

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"Wie ein Spionage-Thriller aus dem Kalten Krieg"

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euronews: Wir wollen jetzt mit Claude Moniquet vom European Strategic Intelligence and Security Center (ESISC) in Brüsell über die Verhaftung von 10 russischen Spione sprechen. Das klingt alles wie in einem guten Spionage-Thriller aus dem Kalten Krieg!

Moniquet: Erstens, bin ich etwas erstaunt, weil die Russen 20 Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges in den USA spionieren. Das ist an sich nicht wirklich überraschend. Was ist in diesem Fall überrascht, ist die Dauer. Dies ist ein Fall, der fast 20 Jahre gedauert hat. Und auch die Dauer der Überwachung durch die US-Behörden, die angeblich mehr als 7 Jahren betragen hat, überrascht. Seit 7 Jahren hatte die Gegenspionage Mikrofone und Kameras in ihren Häusern und Treffpunkten. Wenn man die Anklageschrift liest, dann hat man den Eindruck, man liest einen guten Spionage-Thriller aus dem Kalten Krieg!

euronews: Was steht in diesem Dokument?

Moniquet: Es ist das Ergebnis von sechs, sieben Jahren Ermittlungen. Sie wurden verdeckt überwacht. Ihre Wohnungen wurden durchsucht. Sie wurden abgehört, die Festplatten ihrer Computer wurden kopiert, die Speicher der Handys. An den Autos wurden GPS-Empfänger angebracht. Dadurch wurde eine riesige Masse an Informationen gewonnen. Stellen Sie sich einen Überblick über ein Dutzend Jahre vor, Dutzende von Agenten und Millionen von Dollar.

euronews: Welche Folgen wird das ihrer Meinung nach für das Verhältnis Moskau-Washington haben?

Moniquet: Generell hat uns die Geschichte gelehrt, dass diese Art von Fall eine Abkühlung auslöst. Es wird Folgen haben, die sehr kurzfristig sind. Es wird zur Ausweisung von russischen Diplomaten kommen. Er wird auch zur Ausweisung von Amerikanern aus Russland kommen. Es wird einen kleinen Kälteeinbruch geben, und dann wieder “business as usual”. Denn die Geschichte lehrt, dass Spionage von allen Ländern praktiziert wird, und dass das jeder akzeptiert. Erwischt zu werden ist nie lustig, aber der politische Wille ist stärker.

euronews: Es ist etwas seltsam, dass dieser Fall wenige Tage nach der Inszenierung der warmen und freundschaftlichen Beziehungen zwischen dem russischen und dem US-Präsidenten kommt!

Moniquet: Absolut! Allerdings ist das ein Zufall. Offensichtlich hat das FBI befürchtet, dass einige der Verdächtigen offenbar das Land verlasen wollten. Sie beschlossen, nach dem russisch-amerikanischen Gipfel zu handeln, zum Glück nicht vor! Aber ich denke, es ist ein Zufall. Darüber hinaus sind die Russen sehr pragmatisch. Und in Fällen wie diesem vor ein paar Jahren, sagte sie klar, dass einerseits Wirtschaftsspionage legitim ist, und andererseits politische Spionage etwas anderers ist.