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Katzenjammer nach dem Wahlkrimi

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Katzenjammer nach dem Wahlkrimi

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Das Echo auf den Wahlkrimi in der Deutschen Bundesversammlung könnte einhelliger kaum sein. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat – einen weiteren – Neustart ihrer, intern schonmal als “Gurkentruppe” bezeichneten Koalition versemmelt. Zwei Wahlgänge lang verweigerten sich Abweichler aus den eigenen Reihen ihrem Kandidaten, um ihn dann im dritten Wahlgang doch noch mit einer absoluten Mehrheit auszustatten. Eine “strategische Meisterleistung ihrer Gegner”, wie ein Kommentator bemerkte.

Nach dem über neunstündingen Wahlmarathon war dem neuen Bundespräsidenten Christian Wulf die Erleichterung anzumerken. Der bisherige niedersächsische Ministerpräsident erhielt im dritten Wahlgang 625 Stimmen. Sein von SPD und Grünen aufgestellter Gegenkandidat, der frühere DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck, kam auf 494 Stimmen, 121 Wahlmänner enthielten sich, nachdem die Linke ihre Kandidatin zurückgezogen hatte.

Wulff erreichte damit doch noch knapp die absolute Mehrheit, die er in den beiden ersten Wahlgängen verfehlt hatte. Im dritten Wahlgang hätte auch die einfache Mehrheit ausgereicht. Die große Zahl von Wahlmännern aus der Regierungskoalition, die in den drei Wahlgängen nicht für Wulff gestimt hatten, gilt als schwere Schlappe für Bundeskanzlerin Merkel und ihren Führungsstil.

Für die schwarz-gelbe Koalition beginnt jetzt die Aufarbeitung ihres Wahldebakels. Während Bundeskanzlerin Merkel nicht damit rechnet, dass die Regierungsarbeit schwieriger wird, mahnte CSU-Chef Horst Seehofer, die Koalition dürfe nach dem Verlauf der Wahl nicht einfach zur Tagesordnung zurückkehren.