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Vom Erbschaftsstreit zur Staatsaffäre

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Vom Erbschaftsstreit zur Staatsaffäre

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Liliane Bettencourt, 87, ist die reichste Frau Frankreichs. Auf der Liste des Magazins “Forbes”, wo die Reichsten des Planeten verzeichnet werden, steht sie auf Platz 17. Um diesen Reichtum sorgt sich nun ihre Tochter. Seit 2002 versucht sie immer wieder und bisher vergeblich, ihre Mutter entmündigen zu lassen, weil die nach Meinung der Tochter allzu großzügig mit ihrem Geld umgehe.

Jetzt hat die Tochter einen Prozeß gegen den Fotografen Francois-Marie Banier angestrengt, den die alte Dame besonders reichlich bedacht hat. Die Bekanntschaft der beiden begann schon vor 41 Jahren. Inzwischen sollen sich die Lebensversicherungen, Gemälde, und Immobilien, die Liliane Bettencourt dem heute 63jährigen geschenkt hat auf eine Milliarde Euro summieren. Da fürchtet die Tochter offensichtlich ums eigene Erbe und beschuldigt den Fotografen, nachlassende geistige Fähigkeiten ihrer Mutter gezielt auszunutzen.

Das weist der Anwalt des Fotografen zurück und betont, Madame Bettencourt habe seinen Mandanten total freiwillig und voll verantwortlich beschenkt.

Der Anwalt der Tochter zieht weiterhin die geistige Gesundheit der alten Dame in Zweifel. Sie habe Leute nicht erkannt, die schon seit 18 Jahren für sie arbeiten, führt er an und fragt: “Ist das normal oder ein Zeichen von Geistesschwäche?”

Um diese Geistesschwäche nun vor Gericht belegen zu können, wurde ein Butler angestiftet, heimlich die Gespräche der alten Dame aufzuzeichnen.

Folgenden Dialog zwischen ihr und ihrem Vermögensverwalter veröffentlichen französische Medien:

Madame Bettencourt fragt:” Wieviel habe ich beabsichtigt, Francois-Marie zu hinterlassen?”
Antwort: “er ist Universalerbe”
Sie fragt nach: “Das bedeutet?”
Antwort: “Alles”

Der Anwalt von Madame Bettencourt erklärt, sie habe klar zum Ausdruck gebracht, dass sie ihre Geschenke nicht bedauere. Nach seiner Meinung besagen die Abhörprotokolle gar nichts über die geistige Gesundheit von Madame Bettencourt.

Für die gegenwärtige französische Regierung sind dadurch allerdings mehr als peinliche Details bekannt geworden. Zum Beispiel dass für das enorme Vermögen zuwenig Steuern gezahlt wurden.

Obwohl es 2009 schon Hinweise gab, hat der damals zuständige Budgetminister es unterlassen, dem nachzugehen. Dieser Eric Woerth ist heute Arbeitsminister und Schatzmeister der Regierungspartei, die aus diesem Vermögen Parteispenden bekommen hat.

Und seine Frau arbeitet als Anlageberaterin für Liliane Bettencourt.