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Kasachstan befürwortet Weltwährung

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Kasachstan befürwortet Weltwährung

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In Kasachstan hat das dritte Astana-Wirtschaftsforum mit 2000 Wirtschaftsexperten aus 50 Ländern stattgefunden. Europa hat dabei einige Ratschläge bekommen, etwa vom ehemaligen kanadischen Premierminister Jean Chretien. “Es gibt Länder, die viel zu hoch verschuldet sind”, meinte er, “die enorme Budgetdefizite aufweisen. Das bremst auch die privaten Investitionen, denn es schafft eine Atmosphäre der Unsicherheit in der Privatwirtschaft. Kanada war in den Jahren 1993 und 1994 in einer ähnlichen Situation, aber wir haben die Staatsfinanzen wieder in Ordnung gebracht, was ein Klima des Vertrauens geschaffen hat und die Privatinvestitionen sind wieder angestiegen.”

Zu denen, die versuchen, den Flächenbrand der europäischen Schuldenkrise zu bekämpfen, gehört die Europäische Investitionsbank. Ihr Präsident Philippe Maystad hat in Astana die Notwendigkeit von Sparpaketen verteidigt, um die Erholung voranzubringen: “Es ist klar, dass Europa eine Strategie zur Konsolidierung benötigt, denn das ist die einzige Möglichkeit, um das Vertrauen der Märkte wiederherzustellen. Man muss diese Konsolidierung mittragen, aber natürlich ist die Situation in jedem Land anders und man kann nicht überall die gleichen Maßnahmen mit der gleichen Wirksamkeit umsetzen.”

Die Schulden haben ihren Tribut vom Euro gefordert. Seine Abwertung muss aber nicht unbedingt negativ sein, meint Nobelpreisträger Robert Mundell, einer der geistigen Väter der Gemeinschaftswährung. “Der Euro ist nicht sehr stark gesunken”, sagt Mundell. “Bei schlechten Nachrichten mag er noch drei oder vier Cent nach unten gehen, aber das ist nichts Besonderes. Er hat die Talsohle bereits durchschritten. Ich glaube, er ist ein bisschen über das Ziel hinausgeschossen und natürlich weiß niemand, was kurzfristig geschehen wird, denn das hängt von Gefühlen und Spekulationen und den neuesten Informationen ab. Aber ich würde sagen, derzeit ist der Euro gut bewertet.”

Der Gastgeber des Forums, Kasachstans Präsident Nursultan Naserbajew, betonte, der beste Weg aus der Krise sei eine stärkere wirtschaftliche Integration bis hin zu einer gemeinsamen Weltwährung. Der spanische Ökonom Ramón Tamames verteidigt dieses Konzept: “In den Jahren 1944 bis 1971 hatte die Welt eine Gemeinschaftswährung, ohne es zu erkennen. Das war das Internationale Währungssystem der Weltbank, aber es wurde zerschlagen, als Nixon die Eintauschbarkeit von Dollars in Gold stoppte. Stattdessen bekamen wir flexible Wechselkurse, die viele Krisen herbeigeführt haben. Die Vorteile einer Weltwährung sind finanzielle Stabilität und der Wegfall der Transaktionskosten. Und sie würde den Entwicklungsländern, die jetzt wertlose nationale Währungen haben, eine echte, stabile Währung geben.”

Um für ausländische Investoren attraktiv zu werden, hat Kasachstan eine Wirtschaftsunion mit Russland und Weißrussland gebildet, einen gemeinsamen Markt mit gemeinsamen Regeln, erklärt die kasachische Wirtschaftsministerin Zhanar Aitzhanova: “Wir haben mit Russland und Weißrussland eine Zollunion gebildet, mit gemeinsamen Einfuhrzöllen und jetzt haben diese drei Länder die gleichen Maßnahmen gesetzt, etwa was die Lizensierung von Importen angeht.”

Kasachstan möchte eine Hauptrolle bei der Globalisierung spielen. Nächstes Jahr soll eine Autobahn gebaut werden, die China und Europa verbindet. Aber warum sollte man in ein solches Projekt investieren? Die Antwort kommt vom kasachischen Fonds Samruk-Kasyna. “Der Fonds Samruk-Kasyna ist so etwas wie das Bindeglied zwischen Regierung und Wirtschaft”, erklärt Fondschef Kairat Kelimbetov. “Wir verwalten ungefähr 70 Milliarden Dollar an Staatsvermögen. Wir sind Aktionäre des staatlichen Uran-, Öl- und Gaskonzerns, der Fluggesellschaft, der Bahngesellschaft, uns gehören verschiedene Banken und ich denke, wir sind ein guter und verlässlicher Partner für große Unternehmen. Wir könnten verschiedene Möglichkeiten nutzen, Joint Ventures bilden und Aktienfonds bilden, um die Schuldenrückzahlung zu sichern.”

Es heißt, Worte und Ideen reisen schneller über das Meer und die Steppe. Beim Wirtschaftsforum in Astana standen zwei Ideen im Mittelpunkt: Die Vitalität und die Ressourcen der Schwellenländer sollten stärker genutzt und zudem solle eine wirkliche Weltwährung geschaffen werden.