Eilmeldung

Eilmeldung

EU-Schuldenagentur für Wachstum

Sie lesen gerade:

EU-Schuldenagentur für Wachstum

Schriftgrösse Aa Aa

Der Sommer ist schlussendlich doch noch im Süden Frankreichs angekommen und damit auch der Touristenschwarm. Während sich in den 27 Mitgliedsstaaten alle Gespräche um die Sparpolitik drehen, ist hier noch nichts davon zu merken, dass alle den Gürtel enger schnallen müssen. Aber man bereitet sich auf das Schlimmste vor.

Eine Spanierin erzählt:“Wir werden weniger Ferien machen, wie alle Spanier. Aber ich kann mich nicht beschweren, immerhin bin ich hier.”

Die Rechnung, die die Banken hinterlassen haben, steckt den Europäern immer noch im Hals, besonders seitdem es um die Finanzen so schlecht steht. Eine Studentin erzählt: “Wir haben Wissenschaft studiert, aber in dem Bereich gibt es nicht genug Geld. Wir fragen uns: Sollten wir vielleicht ins Ausland gehen oder bleiben. Wir machen uns ziemliche Sorgen um die Zukunft.”

Über eines bessere Zukunft berät der Wissenschaftszirkel, der sich jährlich in Aix-en-Provence zusammenfindet. Die Organisation setzt sich aus 30 Hochschullehrern zusammen, die aus den verschiedensten politischen Ecken stammen. Dieses Jahr haben sie mehr als 130 Wissenschaftler, Ökonomen, und Politiker aus 24 Nationen eingeladen – sie diskutieren zum Thema: Auf der Suche nach neuem Wachstum. Es wird auf grüne Technologien, Innovation und Ausbildung gesetzt. Die Herausforderung besteht darin, Wachstum in Zeiten des Sparens zu schaffen.

Binnenmarktkommissar Michel Barnier sagt:“Wir haben dies bereits in der Landwirtschaft vor 50 Jahren gemacht. Wir brauchen einen ähnlichen Aktionsplan für Industrie und Forschung.Wir müssen außerdem mit unserer Bevölkerung aber auch mit den Unternehmen über eine Wirtschaftsprojekt sprechen, über ein neues Angebot an Arbeitsplätzen und Wachstum. Das kommt durch höhere Investitionen.”

Aber wie soll das trotz der Schulden möglich sein? Die Antwort des Wirtschaftszirkels lautet: eine europäische Schulden-Agentur, die die Garantie für die Schulden übernimmt.

Christian de Boissieu vom Wirtschaftszirkel erklärt:“Europa kann nicht in die zweite Liga absteigen. Wie auch im Fußball ist es schwierig, aus der zweiten Liga wieder aufzusteigen.”

Der Berater der französischen Regierung sagte weiter: “Leihen ist nicht das gleiche, wie Geld zu drucken. Es ist eine Frage, Ersparnisse zu recyclen. Natürlich muss die Europäische Zentralbank nicht direkt in dieses Vorhaben eingebunden werden. Es wäre sogar besser, wenn nicht. Die EZB muss sich so auch keine Sorgen machen.”

Die EZB ist von der Vorstellung, die Europäische Union noch mehr zu verschulden, nicht begeistert. Präsident Jean-Claude Trichet erklärt:“Generell ziehe ich so eine Maßnahme nicht vor. Wir sind in einer Phase, in der wir unser Budget sehr vorsichtig managen müssen. Nennen sie es rigoros. Ich nenne es gutes Haushaltsmanagement, dass natürlich rigoros ist.”

Was die Befürworter eines großen europäischen Darlehens am meisten fürchten, ist ein Veto aus Berlin. Deutschland will nicht für die Ausschweifungen seiner Nachbarn zahlen.

Philippe Aghion Ökonome an der Harvard-Universität meint:“Ich denke, dass die Deutschen verstehen müssen, dass schlechte Wachstumsaussichten für nahezu alle europäischen Länder nicht gut sind. Es ist schlecht für die Eurozone. Die Märkte spekulieren, wenn sie denken, dass es nur schwachen Wachstum gibt. Wir müssen den Deutschen erklären, dass sie Gewinne daraus ziehen können, denn alles was Spekulation auslöscht, ist eine gute Sache für sie.”

Und gegen Spekulation ist Regulierung auf weltweitem Niveau ein Mittel. Ökonome Pascal Lamy sagte:“Giftige Tiere werden mehr kontrolliert als giftige Finanzprodukte.Wir brauchen eine globale Regulierung. Das gibt es nicht, es wird wahrscheinlich langsam eingeführt werden. Es ist nicht unmöglich, man muss aber wissen, dass es im Vergleich zum nationalen Niveau viel komplizierter ist. Das ist ein Grund mehr, direkt zu beginnen.”

Der Mann, der 2006 bereits die Finanzkrise vorhersagte, glaubt nicht an die derzeitige Erholung. Ökonome Nouriel Roubini meint: “Wir kümmern uns nicht um die Gründe der letzten Krise und streuen vielleicht die Samen für die nächste aus. Ich mache mir Sorgen über die Kombination aus immer noch laxer Überwachung und Regulierung. Leichtes Geld und Kredite und lockere Steuerpolitik werden in den nächsten drei Jahren zu noch mehr finanzieller Instabilität führen.”