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Bosnische Flüchtlinge

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Bosnische Flüchtlinge

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Wie soll man heimkehren, neu anfangen, wenn man alles verloren hat? Und vor allem: WARUM??? Wenn einem das Land keine echte Perspektive bietet. Hinter diesen Menschen liegt der Bosnienkrieg – der erste militärische Konflikt auf europäischem Boden von solchem Ausmaß seit dem II.Weltkrieg – mit hunderttausend Toten – mit mehr als 2 Millionen durch Flucht und Vertreibung entwurzelten Menschen.
Das war die Hälfte der dort zuvor ansässigen Bevölkerung!

Vor 15 Jahren regelte das “Abkommen von Dayton” ihr Recht auf Rückkehr. Vor einem Monat machten die bosnischen Behörden folgende Rechnung auf:
500 Millionen euro seien nötig, um innerhalb der nächsten vier Jahre 150.000 Rückkehrwilligen entsprechende Bedingungen zu bieten.
Dass immer noch so viele Flüchtlinge in ihrem eigenen Land sind, hat mit der Konstruktion des Staates zu tun, der aus einem serbischen und einem kroatisch-muslimischen Teil besteht.
Viele wollen bei ihrer Volksgruppe wohnen.
Hinzu kommt, 500.000 bosnische Flüchtlinge leben immer noch in anderen Ländern, von denen sie inzwischen zur Heimkehr gedrängt werden.
Dabei gibt es nach den Kriegsflüchtlingen jetzt noch eine andere Gruppe im Ausland:
Junge Bosnier, die sich anderswo bessere Chancen erhoffen als in Bosnien-Herzegowina.

Bei einer Arbeitslosenrate von 40 Prozent kein Wunder. Das pro-Kopf-Einkommen liegt mit rund 3.500 euro pro Jahr bei ungefähr 10 Prozent des in Westeuropa Üblichen. Und das Wachstumstempo ist spürbar zurückgegangen.

Das Land hängt am Tropf seiner Geberländer.
Das sind vor allem die Europäische Union und die USA – beide aktuell reichlich krisengeschädigt.

Aber auch in den Strukturen des Nachkriegsstaates Bosnien-Herzegowina knirscht es.
Die Volksgruppen haben keineswegs zu einem fruchtbaren Miteinander gefunden.
Und zusätzlich steht die organisierte Kriminalität einem geregelten Neuanfang im Wege.
Kein Wunder, dass dem Land die Jugend davonläuft.