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Süd-Koreas Frauen auf dem Weg in die Moderne

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Süd-Koreas Frauen auf dem Weg in die Moderne

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Seoul ist eine ultarmodere Stadt, mit fast 23 Millionen Einwohnern die viertgrößte Stadt der Welt nach Tokio, Meciko-City und Sao Paulo.
Süd-Korea wird zu den vier “asiatischen Drachen” gezählt, die einen fulminanten wirtschaftlichen Aufschwung hinter sich haben.
Modere Technologie – wohin man schaut.

Nirgendwo sonst findet man so viele Internetzugänge. Und dann hat das Land auch eine freie Presse. Es scheint, als würde der Europäer hier nichts vermissen. Die Hälfte der bevölkerung bekennt sich zum christlichen Glauben, die andere Hälfte zum Buddhismus. Glauben und konfuzianische Werte beeinflussen bis heute das Sozialmodell des Landes: Respekt vor dem Alter, Patriarchat. Ein Modell, in dem es für Frauen eigentlich nur einen Platz gibt – den im Haus.

Also fragen wir in einem der großen Einkaufszentren drei Frauen aus drei Generationen, wo sie ihren Platz gefunden haben oder noch finden wollen.

Für die mit 60 Jahren Älteste lief und läuft alles im Sinne der Tradition. Sie sagt: “Die Rolle der koreanischen Frau besteht darin, den Ehemann zu unterstützen, sich um die Erziehung der Kinder zu kümmern und um Gesundheit und Wohlergehen der Familie, damit der Ehemann in Ruhe arbeiten kann.”

Die etwas jüngere, sie ist Mitte vierzig, schränkt schon ein, wenn sie sagt, ehemals sei es die Aufgabe der Frau gewesen, den Ehemann zu unterstützen und die Kinder zu erziehen.
Das beginne sich aber zu ändern – zu spät für sie selber, denn sie habe noch nach der Hochzeit den Beruf aufgegeben.

Die jünste betont den Wandel – anders als die Generation ihrer Mutter, die noch zu Hause blieb, wolle sie auch nach der Heirat in ihrem Beruf arbeiten und ihre Position in der Gesellschaft finden, wenn das denn gehen werde…

An der Nationalen Universität von Seoul studieren Mädchen gleichberechtigt mit den Jungen. In der Bildung gibt es keinerlei Diskriminierung nach Geschlecht. Während früher die soziale Position einer Frau allein über die des Gatten definiert wurde, machen heute die jungen Süd-Koreanerinnen selber Karriere. Auch wenn die oft sehr kurz ist.

Das Institut für Geschlechter-Forschung beschäftigt sich gezielt mit dem Platz der Frau – in der Gesellschaft, auf dem Arbeitsmarkt und in der Familie. Geleitet wird dieses Forschungsprogramm von Eun-Kyung Bae, einer Soziologin. Sie betont:

“ In der koreanischen Gesellschaft werden Jungen und Mädchen gleich erzogen. Aber nach der Heirat und wenn Kinder kommen ist es für die Frauen mit dem Berufsleben vorbei. Dann endet die Karriere.

Bis hierhin galt noch Gleichberechtigung, aber dann hat es eine Frau sehr schwer auf dem Arbeitsmarkt, die Gesellschaft drängt sie in ihre Familienaufgabe.”

Die Malerin Hee-eun ist 36 Jahre alt. Verheiratet mit einem Musiker, der sehr oft wegen seiner Arbeit abwesent ist. Sie hat einen elfjährigen Sohn, dessen Erziehung sie sich seit 11 Jahren ausschließlich widmet.

“ Früher habe ich gemalt und an zwei Abenden in der Woche an der Universität unterrichtet.
Damit habe ich aufgehört. Ich fühle mich nicht frei, ich hätte gern jemanden, der sich um meinen Sohn kümmert, vielleicht an den Abenden, an denen der Vater nicht da ist weil er arbeitet. Jetzt kümmere ich mich ausschließlich um meinen Sohn, das ist mein Leben.”

Ein zweites Kind will sie auf gar keinen Fall, das wäre für sie zu schwer – wobei sie die Rolle ihre Gatten niemals infrage stellt.

Die Soziologin erklärt: “Die Gattenwahl wird stark von den Eltern beeinflußt. Da gilt immer noch der soziale Druck und der Wille der Eltern.
Statistisch gesehen ist die Zahl der Frauen, die nicht heiraten wollen gering. Trotz allem wollen das die meisten. Aber mit der Mutterschaft müssen sie dann soviel aufgeben, dass es für sie schwer wird, als Frau ihren Platz in der Gesellschaft zu finden.”

Als Grund für eine frühe Ehe sagen junge Paare, sie wollten weg von den Eltern. Aber unverheiratet allein zu leben schickt sich nicht, vor allem nicht für junge Frauen. Als Folge davon steigt die Scheidungsrate – und die Geburtenrate sinkt.
Süd-Koreas Tribut an die Moderne.