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Wie ein Bosnier Franzose wird

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Wie ein Bosnier Franzose wird

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Almir Mustafic hatte sich einst mit 24 Jahren entschieden, die triste Realität in Tuzla hinter sich zu lassen und in Westeuropa sein Glück zu versuchen. Der ehemalige Kellner wurde Bauarbeiter – wie 90 Prozent aller in Frankreich lebenden Bosnier. “Ich kam 2004 nach Frankreich”, berichtet er. “In meinem Land, wo nach dem Krieg alles kaputt war, gab es keine Arbeit. Also habe ich meine Glück in Frankreich versucht.”

Nach dem Dayton-Abkommen, mit dem 1995 das Kriegsende besiegelt wurde, floh er aus seinem Heimatort, der nunmehr in der “Republika Srbska” lag. Aber auch in der kroatisch-muslimischen Föderation fühlte er sich nicht zu Hause.
Solcherart entwurzelt – Flüchtlinge im eigenen Land – wurden viele Bosnier.

“Ich wohnte zwar in der Föderation, aber zuhause fühlte ich mich da nicht, ich war zwar in Bosnien, aber trotzdem Flüchtling”, erklärt er 15 Jahre später.

“Das Haus war nicht meins, selbst im eigenen Land galt ich als Flüchtling. Und weil ich Freunde in Frankreich hatte, dachte ich mir, das mit den Papieren könnte vielleicht klappen. So entschied ich mich, Bosnien zu verlassen. In Frankreich habe ich dann versucht, als politischer Flüchtling anerkannt zu werden. Anderthalb Jahre habe ich auf die Entscheidung warten müssen. Heute bin ich Staatsbürger Frankreichs. Nachdem ich den Flüchtlingsstatus hatte mit Aufenthaltserlaubnis für 10 Jahre, bekam ich auch Arbeit. Ich konnte legal eine Wohnung suchen und beantragte sofort die französische Staatsbürgerschaft. “

Denn hier fühle er sich wirklich zuhause, betont Almir. Dann erzählt er vom schweren Anfang ohne Papiere, vom Notquartier in Abrisshäusern, von der Angst des Illegalen vor der Polizei, vom Leben im Zelt. Acht Monate hat er so durchgehalten.
Stolz erzählt er: “Jetzt bin ich verheiratet, habe einen dreijährigen Sohn und fühle mich bestens.”

Familie verpflichtet, also ließ er schnell seinen kleinen Bruder nachkommen. Auch der hat jetzt seine Papiere. Als Beispiel für andere Bosnier kann die Geschichte der Brüder aber nicht mehr gelten.
Seit 2005 sehen die französischen Behörden wie die anderer EU-Länder Menschen aus Bosnien nicht mehr als “daheim gefährdet” an.