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Plácido Domingo - eine lebende Legende

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Plácido Domingo - eine lebende Legende

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Plácido Domingo braucht die Bühne wie die Luft zum Atmen. Die spanische Legende ist einer der vielseitigsten Tenöre. Sein Repertoire umfasst drei Jahrhunderte – von Mozart über Wagner bis hin zu Ginastera. In London steht er im Royal Opera House auf der Bühne. Wir treffen den vielbeschäftigten Weltstar in der britischen Hauptstadt. Dabei gewährt er uns Einblicke in sein bewegtes Leben.

Der Star-Tenor wagt mit der Rolle des Simon Boccanegra einen vorübergehenden Wechsel ins Bariton-Fach. Die gleichnamige Verdi-Oper erzählt die bewegte Geschichte des Dogen von Genua. “Das ganze Leben lang hat man die aufregende Jugend interpretiert, den Helden, den Liebhaber, den Künstler. Boccanegra ist dagegen ein sehr reifer Herrscher”, erklärt Domingo.

Nach nahezu einem halben Jahrhundert auf der Bühne hat Domingo viele Anekdoten gesammelt. An eine erinnert er sich besonders gern. Am Anfang seiner Laufbahn spielte er einen jungen Mann, der sich aus luftiger Höhe zu seiner Liebhaberin abseilen wollte: “Ich hing da und verschätzte mich, als ich nach dem Seil greifen wollte. Ich schaffte es noch, mich an einer Metallstange festzuhalten. Ich war stark, aber natürlich ist man es nicht gewohnt, so zu hängen. Statt also einen schneidigen Auftritt mit dem Seil als Liebhaber hinzulegen, rief ich: ‘Holt mich da runter!’”

Seine Bühnen-Erfahrungen will Domingo an die jüngere Generation weitergeben. Unermüdlich fördert er Nachwuchstalente. Deshalb gründete er den Gesangswettbewerb Operalia, bei dem er selbst dirigiert: “Es ist ein großartiges Gefühl so talentierte Sänger zu sehen und so viel für sie tun zu können. Es geht darum, sie zu unterstützen, sie anzuleiten und positiv zu sein. Es ist schön, das weitergeben zu können, was ich von den vergangenen Generationen gelernt habe.”

Domingos jüngste Erfahrungen haben ihn nachdenklich gemacht. Dieses Jahr begann für den 69-jährigen dramatisch: mit einer Krebserkrankung. Nach einer erfolgreichen Operation genießt er nun umso mehr jede freie Sekunde mit seiner Familie, besonders mit seinen Enkeln: “Ich will sie aufwachsen sehen. Ich will ihnen helfen, falls sie singen wollen, darauf deutet schon einiges hin. Es ist wunderbar, gesund zu sein. Man braucht das, um seine Enkel zu erleben. Das ist das Wichtigste.”

Trotz Familie konnte Domingo es kaum erwarten, wieder auf der Bühne zu stehen. Er singt, dirigiert und unterrichtet. Seine Energie scheint unerschöpflich: “Ich habe überhaupt keine Eile aufzuhören. Diese Arbeit belohnt mich so sehr. Wissen Sie, es ist ein Privileg, den Menschen Frieden zu bringen und ihre Seelen zu berühren. Warum sollte ich da aufhören? Es ist Leidenschaft. Alles im Leben, sollte man mit Leidenschaft tun.”

Für diesen Beitrag wurden Musikausschnitte aus folgenden Werken verwendet:

Giuseppe Verdi: Simon Boccanegra
Camille Saint-Saëns: Samson et Dalila