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Aktive Sicherheitssysteme für den Straßenverkehr


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Aktive Sicherheitssysteme für den Straßenverkehr

“In den letzten fünfzig bis sechzig Jahren ist eine Menge für Fahrzeugsicherheit getan worden”, erklärt Aria Etemad. Er koordiniert den europaweiten Feldversuch für aktive Sicherheitssysteme, genannt Euro-FOT (Field Operational Test). “Ein wichtiger Punkt war die Einführung von Sicherheitsgurten in Fahrzeugen. Dann gibt es die Knautschzone und natürlich Airbags.” Laut Etemad muss sich die Forschung in Richtung Unfallvorbeugung entwickeln: “Wir müssen etwas tun, um Unfälle zu vermeiden.”

Dass der ganz normale Autofahrer allerdings nicht so reagiert, wie die Experten es erwarten, weiß John-Fredrik Grönvall, ein Forscher im Volvo Cars Sicherheitszentrum: “Der Fahrer macht, was er will, er isst Hamburger, er telefoniert und tut noch viel mehr.” Und sein deutscher Kollege Aria Etemad ergänzt: “Dann sehen wir, dass der Fahrer in mehr als 90 Prozent der Fälle selbst am Unfall schuld war.”

Was macht der ganz normale Autofahrer also hinter dem Steuer? Vielleicht kann die europaweite Studie, die jetzt begonnen hat, diese Frage beantworten. Zwei schwedische Autofahrer gehören zu den 1000 Personen, die an dem von der EU unterstützten FOT-Projekt teilnehmen. Dabei werden die neusten aktiven Sicherheitssysteme getestet. Diese Hi-Tech Geräte sollen helfen, Unfällen vorzubeugen.
Die freiwilligen Testpersonen werden beim Fahren überwacht. “Im Auto selbst sind sechs Kameras”, erzählt einer der Testfahrer. “Aber auch von außen wird der Fahrer gefilmt, von vorne, von hinten, dann die Hände, das Gesicht und die Füße.” Auch Daniella Becner hat sich auf den Test eingelassen. “Ich habe die Kameras schon vergessen”, meint sie und fügt lachend hinzu: “Man wird mich singen hören, denn ich höre oft laute Musik.”

Jedes Fahrverhalten wird von den Technikern erfasst. In die meisten Testwagen wurden gleich mehrere verschiedene aktive Sicherheitssysteme eingebaut. John-Fredrik Grönvall von Volvo demonstriert dies an einem Beispiel: “In diesem Auto haben wir den Abstandsregeltempomat. Wenn der Wagen zu dicht auffährt, sendet das Radar eine Warnung. Dann gibt es noch den Spurhalteassistenten, der dem Fahrer hilft, dem Straßenverlauf zu folgen, ihn aber auch warnt, wenn er schläfrig oder abgelenkt ist. Und das BLIS-System, das dem Fahrer anzeigt, ob Fahrzeuge im toten Winkel angefahren kommen. Außerdem hilft es ihm dabei, den richtigen Abstand zu halten.”

Zwei Ford-Ingenieure sind auf einer Straße in der Nähe von Aachen unterwegs, um einen neuen Prototypen im Rahmen des FOT-Projekts zu entwickeln. Die Technik heißt “Kurven- Geschwindigkeitswarnung.” “Wir sehen jetzt hier eine Warnung oben”, erläutert einer der Ingenieure, “das heißt, wir haben eine Rechtskurve, die wir aktuell noch gar nicht sehen können. Wir werden bereits gewarnt, dass wir diese Rechtskurve mit 40 Stundenkilometern fahren sollen.”

Das System berücksichtigt gleichzeitig Karten, GPS-Informationen und Wettervorhersagen. “Wir arbeiten an verschiedenen Punkten des Systems”, erklärt Ford-Ingenieur Christoph Arndt. “Zunächst geht es darum, zu verstehen, wie genau die Karten sind und wie wir unseren Algorithmus und bestimmte Parameter optimieren müssen, um dann auf verschiedene Untergründe der Straße zu reagieren.”

Die 1000 Testpersonen werden im Laufe des Projekts Millionen von Kilometern zurücklegen. Die Informationen über ihr Fahrverhalten mit aktiven Sicherheitssystemen laufen im Sicherheitsforschungszentrum der Chalmers Universität in Göteburg zusammen. Sie liefern den Forschern einzigartige Innenansichten. “Es passieren viele merkwürdige Dinge im Straßenverkehr, die man als Forscher nicht vorhersehen kann”, meint Victor Trent von der Chalmers Universität. “Es ist interessant zu sehen, was diese Systeme in unerwarteten Situationen bewirken.” Trents Team konzentriert sich auf Situationen, in denen die aktiven Sicherheitssysteme ausgelöst wurden, um zu prüfen, ob sie den Fahrern tatsächlich genutzt haben: “Die aktiven Sicherheitssysteme sollen dem Fahrer helfen. Viele Fahrer fühlen sich jedoch belästigt und wollen sie nicht benutzen. Daher muss auch das Design stimmen, damit sie dem Fahrer gefallen. Auch darüber kann uns diese Studie Aufschluss geben.”

Das Projekt hat erst vor kurzem begonnen. Viele Fahrer müssen sich erst noch an die Alarmsysteme und Warnlichter überall gewöhnen. Manche Systeme kommen gut an, andere weniger. Doch jedes Feedback ist willkommen. “Ich weiß, dass ich gut fahre und trotzdem werde ich korrigiert”, beschwert sich ein Testfahrer. “Wenn ich einen Fehler mache, ist das in Ordnung, aber wenn ich richtig fahre, möchte ich auch nicht verbessert werden.” Die Schwedin Danielle Becner nimmt es gelassener: “Das System wird gleich bemerken, dass ich dem Straßenverlauf nicht richtig folge und mich warnen: Hallo, du solltest dich ausruhen oder nicht so abgelenkt sein.”

2008 sind in der EU mehr als 30.000 Menschen im Straßenverkehr ums Leben gekommen. Aber jedes Jahr sinkt die Zahl der Verkehrstoten. Ziel des FOT-Projektes ist es, wissenschaftlich zu belegen, dass aktive Sicherheitssysteme den Fahrern im alltäglichen Straßenverkehr helfen.

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