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Rosa Otunbajewa: "Das ganze Land wartet auf den Wiederaufbau."

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Rosa Otunbajewa: "Das ganze Land wartet auf den Wiederaufbau."

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Kirgistan, April 2010: Die Hauptstadt Bischkek wurde von schweren Aufständen erschüttert, der Präsident Kurmanbek Bakiyev seines Amtes enthoben. Das zentralasiatische Land versank in Gewalt und Chaos. Kirgisen und die usbekische Minderheit lieferten einander heftige Gefechte.

Eine Übergangsregierung unter Rosa Otunbajewa wurde ernannt. Nach dem Referendum über eine neue Verfassung Ende Juni, wurde Otunbajewa in ihrem Präsidentenamt am 3. Juli bestätigt. Sie will eine parlamentarische Demokratie in Kirgistan. Constantino de Miguel hat die “Eiserne Lady Zentralasiens” für Euronews interviewt.

Euronews:
Frau Präsidentin, können Sie uns etwas über die tragischen Ereignisse sagen, die sich in ihrem Land zugetragen haben? Wie viele Tote, wie viele Verwundete, wie viele Flüchtlinge?

Otunbajewa:
Rund 270 Tote wurden von unseren Behörden registriert, aber diese Zahl entspricht nicht der Wahrheit, denn unser Tradition schreibt vor, dass Tote noch am gleichen Tag begraben werden sollen. Die Zahl der Toten ist also um einiges höher.
Es ist im Interesse einer dritten Partei Gewaltausbrüche zu provozieren. Wir müssen diese Menschen identifizieren, doch wir wissen bereits, dass es sich bei manchen um religiöse Extremisten handelt. Sie wollen das Land destabiliseren und mit Gewalt ein religiöses Kalifat aufbauen. Es ist sehr bedauerlich, dass die Familie des früheren Präsidenten in dieses Vorhaben verstrickt ist. Für unser Land ist es eine sehr ernste Angelegenheit, deswegen untersuchen wir sie sehr genau.

Euronews:
Wie bewältigen sie die humanitäre Krise in Osch? Wie helfen sie den Menschen, die wegen den ethnischen Verfolgungen flüchten mussten?

Otunbajewa:
Rund 110.000 Menschen sind nach Usbekistan geflüchtet. Die meisten von ihnen waren ältere Menschen, Frauen und Kinder. Mittlerweile sind sie alle nach Kirgistan zurückgekehrt. Dort wo sie vorher gelebt haben, ist heute alles zerstört, die Häuser und Geschäfte stehen nicht mehr. Viele haben auch den Verlust von Verwandten zu beklagen. Internationale Organisationen kommen uns zur Hilfe in diesen schweren Zeiten.

Euronews:
Welche Unterstützung benötigen Sie von der internationalen Gemeinschaft, um die Demokratie in ihrem Land zu sichern?

Otunbajewa:
Wir brauchen Unterstützung, um unsere Macht und die Demokratie in unserem Land zu festigen. Mein größte Anliegen ist es im Laufe des Sommers dafür zu sorgen, dass die Opfer dieses Konflikts ein Dach über den Kopf bekommen. Wir benötigen Baumaterial für den Wiederaufbau. Das ganze Land wartet darauf.

Euronews:
Wie sieht es mit der Armee und der Polizei aus, können Sie auf sie zählen

Otunbajewa:
“Wir beschäftigen uns momentan mit dem Projekt ein Polizeikontingent aufzubauen. Eine Friedenseinheit, die Usbeken und Kirgisen voneinander fernhält. Wir haben 13.000 Polizisten und wir müssen sie unbedingt ausbilden und ausrüsten.

Euronews:
Die Menschen in ihrem Land sind nach den gefälschten Wahlen und der anschließenden Anarchie von der Demokratie enttäuscht. Wie können sie ihr Vertrauen zurückgewinnen?

Otunbajewa:
Wir haben ein Referendum durchgeführt. Wir haben uns darüber gefreut und für viele Länder war es eine Überraschung. Die Ergebnisse waren einfach unglaublich. Von den 70 Prozent, die an der Wahl teilnahmen, haben 90 Prozent für die neue Verfassung und für mich als Übergangspräsidentin gestimmt. Indem ich Präsidentin werde, trage ich zur Stabilität des Landes bei. In eineinhalb Jahren werden wir Präsidentschaftswahlen abhalten. Wir schreiten voran, Stück für Stück und ich denke, dass die Menschen sich Stabilität wünschen. Sie wollen ein geeintes Land und in Frieden leben.