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Stresstests als Krisenprävention

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Stresstests als Krisenprävention

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Im Jahr 2008 erreicht die Finanzkrise ihren Höhepunkt: Im September bricht die Investmentbank Lehman Brothers zusammen und die dadurch ausgelösten Schockwellen lässt die weltweiten Kreditmärkte einfrieren. Bereits ein Jahr zuvor war das britische Institut Northern Rock ins Trudeln geraten – es musste von der Regierung in London gerettet werden. In Frankreich macht Präsident Nicolas Sarkozy ein Versprechen: “Was auch immer geschieht, der Staat garantiert die Sicherheit und Zuverlässigkeit des französischen Banken- und Finanzsystems.”

Zwei Jahre später die nächste Krise: Diesmal geht es um die Schulden der europäischen Regierungen, Griechenland steht kurz vor der Staatspleite. Die EU beschließt, den Bankensektor zu durchleuchten, um möglichen weiteren Krisen zuvorzukommen. Die Idee der Stresstests ist nicht neu, aber bislang wurden die Ergebnisse intern ausgewertet.

Insgesamt 91 Banken wurden geprüft, die zusammen rund 65 Prozent der europäischen Bankenbranche abbilden. Koordiniert wurden die Tests vom Komitee der europäischen Bankenaufseher, kurz CEBS, das 2004 als EU-Beratungsgremium gegründet worden war. Mehrere Szenarien wurden getestet, unter anderem ein Rezessionsszenario. So sollte sich zeigen, ob die überprüften Banken im Bedarfsfall über genügend Kapital verfügen, um weitere Belastungsproben auszuhalten. Zentrales Kriterium ist die Kernkapitalquote, die nicht unter sechs Prozent rutschen durfte. Aber ein Restrisiko bleibt, meint Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger: Der Bankensektor bleibe ein Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung, sagte er, aber wenn man nun für mehr Transparenz sorge und Maßnahmen setze, um schwachen Banken oder Sparkassen zu helfen, sei man auf einem guten Weg.

Jene Institute, die den Stresstest nicht bestanden haben, müssen sich nun frisches Geld beschaffen, etwa über die Ausgabe neuer Aktien. Im Notfall können die jeweiligen Regierungen aushelfen – oder die Bank muss auf den EU-Rettungsschirm zurückgreifen.