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Transatlantische Partnerschaften für die Umwelt

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Transatlantische Partnerschaften für die Umwelt

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Ein Footballteam auf dem Rasen: Die Szene wirkt typisch amerikanisch – und doch befinden wir uns in Deutschland, genauer: in Frankfurt an der Oder im Osten des Landes. Noch vor fünfundzwanzig Jahren gehörte diese Region zur DDR und lag abgeschirmt hinter der Mauer. Heute ist einer der Sponsoren des Football-Teams ein US-Unternehmen aus der Photovoltaikbranche. First Solar stellt Dünnschicht-Solarmodule her und ist zu einem der größten Arbeitgeber in der Region geworden.

Damit wurde auch ein Exodus junger Leute beendet, die keine Arbeit fanden. Einer der Angestellten von First Solar ist Matthias Böhm. “Ich wäre wahrscheinlich auch gezwungen gewesen, wegzugehen”, sagt er. “Aber so kann ich hierbleiben, bei meinen Freunden und meiner Familie. Ich finde das sehr gut und man merkt, wie die Wirtschaft durch das Unternehmen mitwächst.”

Nach der Wiedervereinigung brach die Mikrochip-Industrie in der Region nahe der polnischen Grenze zusammen. Tausende verloren ihren Job. Daher entschied Frankfurt an der Oder, sich selbst als Solarstadt neu zu erfinden und machte sich auf die Suche nach internationalen Investoren – mit Erfolg, wie Martin Wilke vom Investor Center Ostbrandenburg meint: “Wir haben dank hochqualifizierter Leute die Infrastruktur neu entwickelt. Es war eine Chance für First Solar und ein wirklich großer Erfolg, diesen Wirtschaftszweig zu entwickeln.”

Die Standortwahl des Unternehmens wurde als Schlüssel zur Entwicklung einer umweltbewussten Wirtschaft gesehen. Andere Photovoltaikunternehmen siedelten sich an und schufen Tausende neuer Jobs. Tatsächlich entwickelte sich dank der Zulieferer ein ganz neues Wirtschaftsumfeld. Ein Taxiunternehmen beispielsweise konnte seine Größe seit der Ansiedlung der Solarindustrie verdoppeln. “Kleine Betriebe so wie wir haben dadurch Arbeit bekommen”, erzählt Firmenchef Wolfgang Stange. “Und die Frankfurter Bevölkerung ist natürlich froh, dass sie in der Solarbranche eine Beschäftigung gefunden hat.”

Der Gang nach Europa war für First Solar logisch, denn der deutsche Markt für erneuerbare Energien war fortgeschrittener als jener in den USA. In Deutschland gibt es etwa Einspeisprämien, die es jedem ermöglichen, selbst erzeugte umweltfreundliche Energie günstig zu verkaufen. “Es ist wichtig, dass die Länder voneinander lernen”, meint First-Solar-Manager Brandon Mitchener. “In den USA wurden erneuerbare Energien erstmals wahrgenommen, als Jimmy Carter Sonnenkollektoren auf dem Dach des Weißen Hauses montieren ließ. Heute kommen aus Deutschland Ideen, die sich in den USA umsetzen lassen. Das Schöne daran ist, dass es nur Gewinner gibt. Deutschland ist gut für First Solar, wir konnten einen angemessenen Gewinn erwirtschaften und wir haben die Sicherheit, dass das auch für die nächsten 20 Jahre gilt, solang die Einspeistarife existieren.”

Deutschland erzeugt rund die Hälfte der weltweiten Solarenergie. Aber die jüngste Entscheidung des Bundestags macht den Unternehmen Sorgen: Die Abgeordneten stimmten für Kürzungen bei den Anreizen für Solarprojekte. Andere EU-Staaten wie Spanien, Italien oder Tschechien wollen die staatliche Unterstützung für grüne Projekte ebenfalls reduzieren. Nun stellt sich die Frage, inwieweit diese Kürzungen Unternehmen von Investitionen in diesem Bereich abhalten. Dabei hängen Tausende Jobs von Projekten wie dieser von First Solar und einem deutschen Unternehmen betriebenen Solarfarm ab, die nach der Fertigstellung eine der größten der Welt sein soll. Ein Beispiel, wie transatlantische Projekte mithelfen, energiepolitisch neue Wege zu gehen. Michael Richter ist der Leiter der Abteilung für Standort- und Strukturpolitik im brandenburgischen Ministerium für Wirtschaft. “Es ist für Brandenburg sehr wichtig, mit den USA und anderen Ländern außerhalb Europas Partnerschaften einzugehen”, meint er. “So bleibt unsere Wirtschaft konkurrenzfähig und hat die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln. Darum sind diese Partnerschaften so wichtig.”

Wie in Brandenburg haben transatlantische Partnerschaften auch die Wirtschaft in den USA beeinflusst, wie etwa in Greenville in South Carolina. Die ausländischen Investitionen je Unternehmen sind hier höher als irgendwo sonst in den USA und überall stößt man auf die Logos europäischer Firmen.

Der deutsche Autobauer BMW zog in den neunziger Jahren hierher, gerade zu einer Zeit, in der die sterbende Textilindustrie Tausende arbeitslos gemacht hatte. Heute beschäftigt das deutsche Unternehmen mehr als 5000 Menschen und hat zudem indirekt, durch das Zulieferernetzwerk, rund 20.000 weitere Jobs geschaffen. Eileen Huffman hat bei BMW Arbeit gefunden. “Es war traurig, all diesen Fabriksschließungen zuzusehen ohne zu wissen, was die Zukunft bringen würde”, erinnert sie sich. “Als BMW kam, ging ein Licht an, jeder hatte wieder Hoffnung. Selbst wenn man keinen Job bei BMW bekam, konnte man immer noch einen bei den Zulieferern finden.”

Auch wenn BMW sich nicht direkt im Bereich erneuerbarer Technologien engagiert, hat das Unternehmen doch einen Preis des US-Energieministeriums für seine umweltpolitische Verantwortung bekommen. Das Unternehmen entwickelte ein System, bei dem Methangas aus einer Mülldeponie gewonnen wird und 60 Prozent der für die Fabrik benötigten Energie liefert.

Im Schatten der Rocky Mountains entwickelt der US-Bundesstaat Colorado ebenfalls grüne Projekte. Die EU und die USA arbeiten dabei eng zusammen. Mehrere europäische Investoren haben die Windenergie entdeckt, die ein Teil dessen ist, was der Gouverneur von Colorado Bill Ritter seine “Wirtschaft der neuen Energien” nennt: “Die USA und Europa können Wege finden, um gemeinsam Jobs zu schaffen und Unternehmen zu gründen, die wirklich grün sind und für eine neue Energiezukunft stehen. Wir müssen nur bereit sein, diese Technologien zu teilen und sie in unsere Handelspartnerschaft zu integrieren.”

Ein Biodiesel-Unternehmen in Denver ist ein Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen der EU und den USA. Gevo hat mit seiner Idee, Treibstoff mit hoher Oktanzahl aus landwirtschaftlichen Abfällen herzustellen, die Unterstützung zahlreicher europäischer Investoren gewonnen. Das Isobutanol kann in eine chemische Kopie von Flugzeugtreibstoff oder Dieselkraftstoff umgewandelt und direkt in die Tanks gefüllt werden. Das Unternehmen arbeitete dabei mit Wissenschaftlern einer belgischen Universität zusammen und stieß in Europa auf großen Zuspruch. “Europa befasst sich sehr intensiv mit der Problematik der Treibhausgase”, so Gevo-Chef Pat Gruber. “Dort hatte man viel Zeit, um darüber nachzudenken. Weil die Europäer an Umweltfragen interessiert sind, ist es einfacher, sie zu überzeugen als die Amerikaner, die andere Werte vertreten. Das Interesse in Europa ist groß und ich wäre nicht überrascht, wenn einige unserer allerersten Kunden aus Europa kämen.”

In ganz Colorado nehmen die Investitionen und auch die Arbeitsplätze im Bereich der sauberen Energien weit schneller zu als in der traditionellen Wirtschaft. Insgesamt stammte mehr als die Hälfte der im vergangenen Jahr neu eingespeisten Elektrizität in den USA und in Europa aus erneuerbaren Energien wie Wind- oder Sonnenenergie.