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30 Jahre nach Anschlag auf Bahnhof von Bologna

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30 Jahre nach Anschlag auf Bahnhof von Bologna

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“Bologna vergisst nicht”: Unter diesem Motto haben zahlreiche Menschen in der mittelitalienischen Universitätsstadt an den Anschlag auf den dortigen Bahnhof vor genau 30 Jahren erinnert. Damals waren 85 Menschen getötet worden, mehr als zweihundert wurden verletzt.
 
“Dreißig Jahre danach ist dieser Tag noch immer in mir lebendig,” sagte eine Frau, die damals auf einen Zug wartete. “Ich habe das erlebt und nichts davon vergessen, ich bin mit dieser Erinnerung aufgewachsen.” Viele Überlebende und Hinterbliebene der Opfer fordern noch heute die volle Aufklärung der Hintergründe. “Unser Kampf ist ein langer Kampf gegen die Zeit, gegen das Schweigen und die Lügen,” sagte Paolo Bolognesi, Vorsitzender des Verbands der Opfer. Man dürfe nicht vergessen oder den Kopf hängen lassen.
 
Der “offizielle” Verdacht richtete sich zunächst auf Linksextreme. Doch im Juli 1988, rund acht Jahre nach dem Anschlag, wurden vier Neofaschisten zu lebenslanger Haft verurteilt – für das schlimmste Attentat der italienischen Nachkriegsgeschichte. Am Bahnhof von Bologna markiert eine stehengebliebene Uhr noch immer den Moment, als die Zeitbombe in einem Wartesaal explodierte. Das Attentat war blutiger Höhepunkt zahlreicher Anschläge und Attentate in Italien, verübt von den linksextremen Roten Brigaden und den Neofaschisten. Doch im Unterschied zu den Linken hatten die Neofaschisten enge Verbindungen zum Staatsapparat. Und die sind noch längst nicht voll durchleuchtet. Zwei Geheimdienstagenten wurden wegen Behinderung der Ermittlungen zum Attentat von Bologna verurteilt, ebenso wie der Vorsitzende der Geheimloge P2, Licio Gelli.