Eilmeldung

Eilmeldung

Éine Prise Kapitalismus würzt Kubas Sozialismus

Sie lesen gerade:

Éine Prise Kapitalismus würzt Kubas Sozialismus

Schriftgrösse Aa Aa

Der “real existierende Sozialismus” funktioniert nicht. Auch nicht in Kuba. Nun soll eine Prise Kapitalismus die Rettung bringen. Damit muss nun eingestanden werden, dass das sozialistische Wirtschaftssystem auch unter kubanischer Sonne nicht Arbeit für alle bringen kann. So wie man vor 20 Jahren in der DDR erkennen musste, dass die Vollbeschäftigung mit dem Erhalt unproduktiver Arbeitsplätze zu teuer erkauft war.

In Kuba liegt der Staatsanteil an der Wirtschaft bei mindestens 90 Prozent. Präsident Raúl Castro hat vor der Nationalversammlung klar gemacht, dass innerhalb von fünf Jahren jeder fünfte Job beim Staat abgebaut werden soll. Das betrifft eine Million Menschen, die dann Arbeit suchen. Castros Rezept klingt so:“Der Ministerrat ist übereingekommen, mehr selbständige Arbeit zuzulassen und sie zu nutzen als eine weitere Beschäftigungsalternative für überzählige Arbeiter.” Um dies zu ermöglichen, werde der Handel mit bestimmten Produkten erlaubt, entsprechende Verbote würden beseitigt.

Kuba hat 11 Millionen Einwohner. Nur knapp 150.000 davon dürfen bisher auf eigene Rechnung wirtschaften. Dafür blüht die Schwarzarbeit. Seit drei Monaten dürfen nun bisher beim Staat angestellte Friseure ihren Kunden auch legal privat die Haare schneiden. Auch Taxifahrer dürfen sich selbständig machen. Die wichtigste Neuerung im Vergleich zur äußerst zaghaften Reform von vor 17 Jahren, die wegen der vielen bürokratischen Hindernisse im Sande verlief, aber ist, dass die neuen Selbständigen auch Angestellte beschäftigen dürfen. Diese Entscheidung soll helfen, jene unterzubringen, die vom Staat entlassen werden. Schließlich hatte auch der Tourismus durch die weltweite Krise weniger Einnahmen gebracht als geplant.

Der gröbste Verstoß gegen sozialistische Wirtschaftslehren wird in diesem Bereich stattfinden: Ausländer können demnächst rund um 16 geplante Golfanlagen Ferienhäuser kaufen. Ganz wie im Kapitalismus.