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Prozess gegen "Kindersoldaten" in Guantanamo

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Prozess gegen "Kindersoldaten" in Guantanamo

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Im US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba hat an diesem Dienstag der umstrittene Prozess gegen den jüngsten Häftling, Omar Khadr, begonnen. Er war mit 15 Jahren in Afghanistan aufgegriffen worden. Die Anklage wirft ihm vor, einen US-Soldaten mit einer Handgranate getötet zu haben, Sprengfallen gebaut und Terroristen unterstützt zu haben.

Für zusätzliche Kritik an dem sowieso kontroversen Verfahren gegen einen “Kindersoldaten” sorgte die Entscheidung eines Militärrichters am Montag, dass Khadrs unter Drohungen erzwungene Geständnisse verwendet werden können.

“Der Richter meint offenbar, dass es okay ist für einen 15-jährigen Jungen, der auf einem Schlachtfeld in feindlicher Umgebung aufgeriffen wurde, dass es okay ist, solch einen Jungen mit Vergewaltigung und Missbrauch zu bedrohen”, schimpft Khadrs Anwalt Dennis Edney. Neben Schlafentzug und unbequemen Haltungen, die der Junge beim Verhör einnehmen musste, hatte ein Ermittler eingeräumt, ihm mit Vergewaltigung gedroht zu haben, um ihn zu beeindrucken.

Der in Kanada geborene Angeklagte ist inzwischen 23. Kanada hat trotz Drängens von Amnesty International keinen Auslieferungs- oder Rückführungsantrag gestellt.

Es ist der erste Prozess in dem umstrittenen US-Gefangenen-Lager gegen einen Angeklagten, der zur Tatzeit minderjährig war. Zudem wird der Prozess von einer Militärkommission geführt – die Präsident Obama selbst zunächst heftig kritisiert hatte. Er wollte auch Guantanamo ursprünglich längst geschlossen haben.