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Flut gräbt bedroht Pakistans Wirtschaft das Wasser ab

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Flut gräbt bedroht Pakistans Wirtschaft das Wasser ab

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Wegen der Hochwasserkatastrophe droht den Aufschwung in Pakistan den Bach hinunter zu gehen.

Bislang hatte die Regierung ein Wirtschaftswachstum von 4,5 Prozent vorhergesagt, etwas mehr als im Vorjahr.

Analysten haben die Prognose um rund ein Viertel gesenkt.

Es gibt viel zu tun, aber zu einer richtigen Arbeit gehört auch der Lohn.

Yunas Khan, ein Arbeitsloser aus Gul Kada:

“Wir sind jetzt seit 22 Tagen ohne Arbeit – seit die Wassermassen den Strom unterbrochen haben. Früher haben wir Zementsäcke auf LKWs verladen. Seit der Regen fiel, sind wir arbeitslos.”

Besonders betroffen ist die Landwirtschaft -hier entsteht mehr als ein Fünftel der Wirtschaftsleistung Pakistans, nahezu jeder Zweite ist dort beschäftigt.

Malang Jan, ein Arbeitsloser aus Mingora:

“Wir kommen jeden Morgen sehr früh hierher und warten bis halb elf, elf. Aber keiner kann uns Arbeit geben. Dann gehen wir nach Hause und essen das trocken Brot von gestern. Manchmal gibt es auch nur jeden zweiten Tag etwas.”

Die Weltbank schätzt die Auswirkungen der Katastrophe auf die pakistanische Wirtschaft als “gewaltig” ein; die Fluten hätten neben Straßen, Brücken und landwirtschaftlichen Flächen rund 723.000 Wohnhäuser zerstört oder beschädigt. Dazu Ernten für rund 700 Millionen Euro – die Weltbank stellt einen Kredit in dieser Höhe bereit.

Der Wiederaufbau könnte nach Expertenschätzungen bis zu 12 Milliarden Euro kosten.

Pakistan hatte schon vor der Flut Probleme, die Bedingungen seines IWF-Kredits von knapp neun
Milliarden Euro zu erfüllen.

Präsident Asif Ali Zardari beendete seine wegen der schwersten Hochwasserkatastrophe seit 80 Jahren in die Kritik geratene Auslandsreise und kehrte in die Heimat zurück.
Dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge werden die Überschwemmungen mit mehr als 1600 Toten die Wirtschaft massiv zurückwerfen. Die Zerstörungen könnten die Produktion zurückgehen lassen und den Haushalt deutlich belasten, sagte ein IWF-Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters. “Unter diesen Umständen ist die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft entscheidend.” Nach seinen Angaben hat IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn dem Präsidenten Unterstützung signalisiert. Der Fonds sei zu Verhandlungen bereit, wie Pakistan geholfen werden könne.

WIRTSCHAFT WIRD WOHL SCHWÄCHER WACHSEN Die Prognose müsse gesenkt werden, kündigte der Sprecher des Finanzministeriums an.
Ein Regierungsvertreter teilte mit, der umstrittene Präsident Zardari wolle in den kommenden Tagen in die von den schwersten Überschwemmungen seit 80 Jahren verwüsteten Gebiete reisen. Für viele Pakistanis kommt das zu spät. Die Flutopfer werfen dem Präsidenten vor, sie mit der Fortsetzung der Reise nach Großbritannien und Frankreich im Stich gelassen zu haben. Eine Regierung müsse wie ein Elternteil handeln, sagte ein Händler in der Stadt Nowshera im Nordwesten des Landes. “Die Kinder in der Not für eine Spritztour ins Ausland zu verlassen, ist ein Skandal.”

Die Fluten haben über eine Länge von 1000 Kilometern eine Schneise der Verwüstung angerichtet und die Häuser von zwei Millionen Menschen zerstört.

Rund 13 Millionen Menschen, acht Prozent der Bevölkerung, sind betroffen. Den Vereinten Nationen (UN) zufolge haben mehr Menschen ihr Gut und Habe verloren als beim Tsunami im Jahr 2004, bei dem in Ländern am Indischen Ozean 236.000 Menschen ums Leben kamen. Das UN-Kinderhilfswerk Unicef schätzt, dass sechs Millionen Mädchen und Jungen betroffen sind. Überschwemmte Latrinen und im Wasser treibende Tierkadaver brächten Kinder in Lebensgefahr. Das Hilfswerk unterstütze Helfer, die Zucker-Salz-Lösungen, Moskitonetze und Tabletten zur Wasserreinigung verteilen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte, die Behörde werde zu Hilfen über mehrere Hundert Millionen Dollar aufrufen. Er sei extrem besorgt über die Lage.
Vertreter der US-Regierung beklagten eine schwache Reaktion der pakistanischen Regierung und zeigten sich angesichts der wachsenden Feindlichkeit gegenüber Zardari besorgt. Pakistan ist ein wichtiger Verbündeter im Kampf gegen die Taliban in Afghanistan.