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"Ein Herz für Roma, keinen Infarkt" - Besuch bei Pater Arthur in Lille

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"Ein Herz für Roma, keinen Infarkt" - Besuch bei Pater Arthur in Lille

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Seine Verdienstmedaille hat er dem Innenminister zurückgeschickt, aus Protest. Von seinen Äußerungen, er bete, dass Präsident Sarkozy einen Herzschlag erleide, aber hat er sich distanziert. Pater Arthur aus dem nordfranzösischen Lille kümmert sich seit Jahren um Roma-Flüchtlinge. Er ist wütend:

“Dieser Mann, der gewählte Staatspräsident, kennt nicht die Verhältnisse vor Ort. Er entscheidet Maßnahmen, ohne diese Menschen zu kennen. Ich hätte sagen wollen, ich wollte sagen, vielleicht ein wenig ungeschickt, dass er ein Herz für diese Menschen haben soll, das meinte ich mit Herzinfarkt.”

Roma, die nicht ausgewiesen werden können, zahlt Frankreich 300 Euro, Kindern 100 Euro, wenn sie freiwillig gehen. Wer im Herkunftsland ein Unternehmen gründet, soll noch mehr erhalten können:

“Sie wollen 3600 Euro zahlen, als Eingliederungshilfe im Land, Glaubst du daran?”, fragt Pater Arthur einen Roma-Familienvater. “3600 Euro pro Familie?”, fragt dieser. “Manche werden das vielleicht annehmen, andere aber nicht. In Rumänien kann man davon einen Monat leben, vielleicht zwei. Und was sollen sie dann machen? Sie haben kein Zuhause, nichts.”

Die illegal errichteten Lager werden immer wieder abgerissen, so wie dieses in Villeneuve d’Ascq bei Lille, das Pater Arthur gemeinsam mit Euronews-Korrespondent Sergio Cantone und Claude Wauquier von der katholischen Hilfsorganisation CCFD Terre Solidaire besuchte.

“Die Polizisten sind gekommen und haben neun Erwachsene und zwölf Kinder mit aufs Kommissariat genommen”, berichtet Wauquier. “Dann kam ein Bagger und hat die Behausungen dieser Menschen plattgemacht, Hütten, die sie sich selbst aus dem gebaut haben, was sie gefunden hatten.”

In einer früheren katholischen Schule in der Nähe von Lille kamen einige der Roma unter. Das aber ist keine Lösung. Denn wahrscheinlich werden auch künftig immer wieder Tausende, die in Ländern wie Rumnänien, Bulgarien, oder Ungarn oft in Armut leben, im Westen eines grenzenlosen Europas ein besseres Leben suchen.