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Roma in Frankreich: Abschieben keine Lösung

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Roma in Frankreich: Abschieben keine Lösung

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Sie sind die Nachfahren ethnisch miteinander verwandter Gruppen, die ursprünglich aus Indien kamen, die ab dem 11. Jahrhundert Richtung Westen wanderten und sich in Europa und Nordafrika niederließen. Ihr Name – Roma – steht für “Mann” oder “Mensch”. Viele sind nicht sesshaft, viele haben weder Geburtsurkunde noch Pass – beste Grundlage für Misstrauen, Stigmatisierung und Verfolgung.

In Frankreich stehen sie in diesem Sommer im Zentrum des Interesses: Nachdem ein Gendarm einen Roma-Jugendlichen erschossen hatte und es danach gewaltsame Zwischenfälle zwischen Roma und Polizisten gab, beschloss die Regierung, hunderte illegale Lager zu schließen und rund 700 Roma in ihre Heimat abzuschieben – nach Bulgarien und Rumänien.

Seit dem EU-Beitritt dieser beiden Länder haben auch die Roma von dort Reisefreiheit, wie ein Sprecher der EU-Kommission jüngst in Erinnerung rief: “Für Roma gilt wie für andere Europäer auch: Sie sind vollwertige Bürger der Europäischen Union und sie haben das Recht auf Personenfreizügigkeit in der gesamten EU.”

Frankreich schickte schon im vergangenen Jahr sogar mehrere tausend Roma in die Heimatländer zurück, andere Staaten wie Deutschland taten Ähnliches. Viele Roma kommen einfach wieder zurück. Und wenn sie keine Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung haben, kann Frankreich sie nach drei Monaten ganz legal wieder ausweisen. Ein Perpetuum mobile – Reiseverkehr in der EU.

Schätzungsweise zwölf bis 15 Millionen Roma leben in Europa, die Mehrheit in Rumänien. Nicht sesshaft ist heutzutage laut Statistik nur ein kleiner Anteil. Mit dem EU-Beitritt haben etliche die Gelegenheit genutzt, zu den ohnehin großen Roma-Gemeinden in Frankreich oder Spanien aufzubrechen.

Denn in Bulgarien und Rumänien sind die Lebensbedingungen zumeist noch schlechter, es gibt keine Arbeit, die Schulen in den Roma-Quartieren gelten als vernachlässigt, die Analphabetenquote unter der Jugend ist hoch. Wie soll es da sozialen Aufstieg geben?

Der Problematik nahm sich 2008 die EU mit einem erstem europäischen Roma-Gipfel mit Betroffenen, Menschenrechtsgruppen und Ministern an, ein zweiter folgte in diesem Frühjahr…
doch trotz solcher Treffen, hehrer Leitlinien und Warnungen von Menschenrechtsorganisationen: Die Diskriminierung bleibt, Europa hat die Eingliederung der Roma nicht im Griff. Ausweisung ist dabei auch keine Lösung: Diese Politik verschärfe noch das Risiko rassistischer Vorurteile, kritisierte jüngst der Präsident der Parlamentarischen Versammlung des Europarats.