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Und Jimi ging zu Georg Friedrich

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Und Jimi ging zu Georg Friedrich

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Beide waren Einwanderer in Großbritannien und haben das Gesicht der Musik verändert, einer mit dem Cembalo und als Komponist, der andere mit der elektrischen Gitarre – Georg Friedrich Händel und Jimi Hendrix. In London waren sie Nachbarn – sie lebten in der Brook Street im schnieken Londoner Stadteil Mayfair – allerdings liegen da 200 Jahre dazwischen.

Nun, 40 Jahre nach Hendrix ‘Tod, bringt eine Ausstellung über seinen Londoner Jahre diese beiden ungleichen Nachbarn zusammen.

1966 kam Hendrix nach London. 24 Jahre alt, ehrgeizig, aber kaum bekannt. In London entstand die Gruppe Jimi Hendrix Experience. Er war stolz auf die musikalische Vergangenheit seiner Adresse, kaufte sich Aufnahmen von Händels “Messias” und führte bereitwillig Musikstudenten durch seine Wohnung, die auf der Suche waren nach Spuren des Barock-Komponisten.

Martin Wyatt, stellvertretender Direktor des Handel House Museum:

“Händel wohnte genau auf der anderen Seite dieser Wand, in Nummer 25. Zu Jimis Zeit hing an der Außenwand eine blaue Gedenktafel, die an Händel erinnerte – und zwar genau zwischen den beiden Gebäuden. So kam es, dass Jimi anfangs fest überzeugt war, in Händels vier Wänden zu wohnen. Gleich auf der anderen Strassenseite gab es einen Plattenladen. Kaum hatte er die Händel-Geschichte gehört, lief er rüber und kaufte Aufnahmen von seiner Musik. Er hatte sie, das wissen wir definitiv – seine LP Sammlung gibt es noch. Da waren auch die Renner drunter wie die ‘‘Feuerwerksmusik’‘ und die ‘‘Wassermusik’‘. Er hörte also Händel und kannte die nachbarschaftliche Verbindung.

Händel bezahlte 60 £ pro Jahr für das Haus, das wären heute rund 6 000 Euro. Hendrix und seine Freundin Kathy Etchingham legten 30 Pfund pro Woche hin, eine beträchtliche Summe für die 60er Jahre, das entspricht etwa 425 Euro pro Woche.

Wenn er nicht zu Hause war, feilte Hendrix an seinem Sound und seinem Ruf als exzentrischer Live-Musiker. Nach London kam er im Jahre 1966, nachdem Produzent Chas Chandler ihn in einer New Yorker Bar entdeckt hatte – da nannte er sich noch Jimmy James und seine Band hieß the Blue Flames.

Martin Wyatt, Handel House Museum:

“Wir konzentrieren uns hier auf Jimis Karriere in Großbritannien. Hier wurde sein Name zur Legende. Da gibt es auch persönliche Gegenstände, die Jimi gehört haben, zum Beispiel Notizen von Liedtexten. Oder ein nettes kleines Stück Papier mit einer Wegbeschreibung zum Isle of Wight Festival für einen seiner Freunde. Aber genauso wichtig war für uns zu zeigen, wie hart Jimi hier arbeitete. Das war wirklich nicht nur Royal Albert Hall und Isle of Wight Festival. Zu sehen ist zum Beispiel eine vollständige Liste von Jimis Auftritten in diesem Land in den vier Jahren bis zu seinem Tod – die tapeziert zwei Wände. Das ist doch ganz außerordentlich. “

Mit der Ausstellung wollen die Museumskuratoren Geld auftreiben, um die Jimi Hendrix’ Wohnung im Glanz der 60er Jahre wiederherzustellen. Das Ziel: Ein Hendrix-Haus, gleich neben dem Handel House Museum.

Die Hendrix-Ausstellung geht bis zum 7. November.