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Feierliche Staffelübergabe im Irak

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Feierliche Staffelübergabe im Irak

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Überschattet von neuen Anschlgen haben US-Verteidigungsminister Robert Gates und Vizepräsident Joe Biden zum Ende der sieben Jahre andauernden Militäroperationen Soldaten vor Ort besucht. Während die amerikanischen Truppen offiziell den Einsatz beendet haben, ist jetzt der Irak an der Reihe – erklarte Biden. “Die irakischen Truppen tragen nun die Verantwortung für die Sicherheit des Landes. Das amerikanische Engagement im Irak wird aber mit der heute beginnenden Mission: Operation “New dawn/neuer Tagesanbruch” fortgeführt.”

New Dawn steht für die Ausbildung von irakischen Sicherheitskräften, die von fast 50.000 amerikanischen Soldaten bis 2011 begleitet wird. Auch in Sachen Regierungsbildung herrscht weiter dringender Handlungsbedarf. Biden sagte, “das irakische Volk ging überall zahlreich zur Wahl. Es wartet auf eine Regierung, in der sich das Wahlergebnis widerspiegelt. Dazu braucht es irakische Politiker, die das nationale Interesse über ihr eigenes setzen. Ich bitte sie dringend, es dem Mut ihrer Mitbürger gleichzutun, die diesen Prozess zu einem Abschluss bringen, indem sie möglichst bald eine Regierung bilden.”

Möglichst bald, das hofft die irakische Bevölkerung schon seit sechs Monaten, als sie im März ein neues Parlament wählte. Angesichts der nach wie vor hohen Gewalt blicken viele pessimistisch in die Zukunft.

Der Bagdader Passant Khalid Ibrahim beklagt, dass der Irak ein Land ohne Regierung sei. Dadurch werde er zu einer leichten Beute. Ziehe sich Amerika zurück, falle der Iran ein. Ein anderer, Fadhil Hashim, meint: “Ich hatte gehofft, dass die amerikanischen Truppen den Irak verlassen, nur nicht gerade jetzt.”

Allein im August kamen 426 Iraker gewaltsam ums Leben, unter ihnen hauptsächlich Zivilisten. Die amerikanische Armee verlor in sieben Jahren 4400 Soldaten. Auf irakischer Seite sind es 9500 Sicherheitskräfte.

Troptzdem kommt der amerikanische Abzug für den irakischen Sicherheitschef Nasir al-Ibadi nicht zu schnell. Es habe seit 2005 Trainings zur Bekämpfung der Aufständischen und Terroristen gegeben. Man sei von den Amerikanern und den Verbündeten auf den Moment vorbereitet worden.

Haben die USA den Einsatz im Irak offiziell für beendet erklärt, geht es in Afghanistan vorerst weiter – auch für zahlreiche Armeefahrzeuge, die dorthin verlegt werden. Mit einem Abzug aus Afghanistan wird Mitte des nächsten Jahres gerechnet.

Der irakische Politikexperte Faisal Naser: “Die Vereinten Nationen brauchen ihre militärische Macht woanders, vor allem in Afghanistan. Die wirtschaftliche Situation und die exorbitanten Kosten, die den Vereinigten Staaten durch ihre Präsenz im Irak entstanden sind, … all diese Faktoren haben den amerikanischen Truppenrückzug beschleunigt.”

An diesem Mittwoch starben erneut Dutzende Zivilisten bei Anschlägen im Irak.