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Palästinenser-Sprecher: Nächstes Jahr bereit für Unabhängigkeit

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Palästinenser-Sprecher: Nächstes Jahr bereit für Unabhängigkeit

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Länger als sechs Jahrzehnte dauert der Nahostkonflikt schon an. Nun wollen sich Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas alle zwei Wochen zusammensetzen und verhandeln. So soll, so heißt es, innerhalb eines Jahres eine Friedenslösung auf den Weg gebracht werden. Beide Seiten haben bereits mehrere Anläufe genommen, die bisher alle scheiterten. Wie stehen die Chancen dieses Mal, wollte Euronews vom Sprecher der Palästinenserbehörde wissen.

Jalel Askri, euronews :
“Herr Gassan el-Khatib, willkommen bei Euronews.
Zwischen den Positionen des Präsidenten Mahmud Abbas und des Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu liegen Welten. Abbas spricht von internationaler Legitimität als Verhandlungsbasis, während Netanjahu an die schmerzhaften Zugeständnisse beider Seiten erinnert. Wie kann man die Positionen in Einklang bringen?”

Ghassan Elkhatib, Sprecher der Palstinenserbehörde
und ehemaliger Arbeitsminister:
“Man hat drei Möglichkeiten. Die erste: Die internationale Gemeinschaft, die zum Beispiel durch die USA oder das Quartett repräsentiert wird, bekommt eine aktive Rolle zugewiesen.

Die zweite Möglichkeit: Beide Seiten werden ermutigt, weitere Fortschritte zu machen. Zum Beispiel hat Israel Bedenken wegen der Sicherheit. Also könnte die internationale Gemeinschaft vielleicht Sicherheitskräfte schicken, um die israelischen Ängste zu mindern.

Die dritte Möglichkeit: Beide Seiten müssen dazu gezwungen werden, sich gegenseitig zu vertrauen, damit die Siedlungspolitik ein Ende nimmt, denn die untergräbt das gegenseitige Vertrauen.”

Jalel Askri, euronews:
“Was die Verhandlungen betrifft, herrscht kein Konsens unter den palästinensischen Gruppen. Auf israelischer Seite sieht es ähnlich aus. Sind die Gespräche bereits gestorben?”

Ghassan ElKhatib:
“Es gibt bei keinen Verhandlungen der Welt vorher einen Konsens. Wenn die Verhandlungen jedoch voranschreiten, können wir die Standpunkte derjenigen stärken, die wirklich vorankommen wollen.”

Jalel Askri, euronews:
“Glauben Sie, dass beide Seiten in einem Jahr einen Rahmenvertrag abgeschlossen haben werden, wie die amerikanische Regierung es sich erhofft?”

Ghassan Elkhatib:
“Es ist möglich. Wenn die Absichten stimmen, wenn die Positionen während der Verhandlungen und das Verhalten vor Ort günstig und ermutigend sind und wenn die internationale Gemeinschaft eine ermutigende Rolle spielt, ist es nicht unmöglich.”

Jalel Askri, euronews:
“Gibt es Alternativen, falls die Verhandlungen scheitern?”

Ghassan Elkhatib:
“Ja, falls sie scheitern, gibt es andere Möglichkeiten. Trotz der Tatsache, dass die Durchsetzung unserer Ziele und der Ziele der internationalen Gemeinschaft, die in einer Zwei-Staaten-Lösung bestehen, für uns Palästinenser Priorität hat. Nächstes Jahr sind wir bereit, unabhängig zu werden und dazu imstande, uns selbst zu regieren.”