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Wandelt sich Netanyahu zum Friedensengel?

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Wandelt sich Netanyahu zum Friedensengel?

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Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu spricht derzeit viel vom Kompromiß.
Sogar von “schmerzhaften Zugeständnissen beider Seiten”. Palästinenserpräsident Abbas begrüßte er in Washington gar mit den Worten:“Herr Abbas, Sie sind mein Partner”. Wandelt sich da ein Saulus zum Paulus? Netanyahu – ein Friedensengel mit Vorgeschichte?

Uns zugeschaltet ist jetzt in Jerusalem Professor Efraim Inbar, Direktor des “Begin-Sadat-Zentrums für strategische Studien” an der Bar Ilan-Universität in Tel Aviv.

euronews:
Sie kennen Benjamin Netanyahu, meinen Sie, er ist in der Lage, schmerzhafte Zugeständnisse zu machen, wenn er eine so große Opposition in der eigenen Regierung hat?

Efraim Inbar:
Natürlich gibt es Bereiche, in denen solche Zugeständnisse nicht möglich sind, etwa wenn die Palästinenser verlangen, dass Flüchtlinge nach Israel kommen oder die Kontrolle über den Tempelberg in Jerusalem, der für die Juden ihr heiligster Ort ist. In solchen Fragen hat Netanyahu Rückendeckung von einer breiten Mehrheit der Israelis. Wir alle, auch ich, sind da felsenfest gegen Zugeständnisse. Aber bei territorialen Zugeständnissen hat Netanyahu breiten Spielraum. Die Öffentlichkeit unterstützt grundsätzlich eine Zwei-Staaten-Lösung und die Notwendigkeit, dafür Zugeständnisse zu machen. Bis hin zum Auflösen einiger Siedlungen, wenn nötig.

euronews:
Meinen Sie, es ist Platz für Zugeständnisse bei den Themen jüdische Siedlungen und
Ost-Jerusalem?

Efraim Inbar:
Jerusalem ist ein sehr heikles Thema. Ich denke nicht, dass Israel bereit ist, einer palästinensischen Kontrolle über jenen Bereich zuzustimmen, den wir “das heilige Becken” rund um den Tempelberg nennen. Man mag willens sein, den Arabern einige Wohngebiete in Ost-Jerusalem zu überlassen.
Aber es ist nicht sicher, ob die jetzt dort lebenden Araber wirklich unter die Kontrolle der Palästinensischen Autonomiebehörde kommen wollen. Wir hören gerade, wie unter den Arabern in
Ost-Jerusalem einige sehr klar eine Volksabstimmung fordern, weil sie nicht gerade wild darauf sind, unter die Hoheit der korrupten, undemokratischen und autoritären Palästinenserbehörde zu kommen.

euronews:
Präsident Abbas hat gesagt, er denke, die amerikanische Ein-Jahres-Frist für ein Friedensabkommen sei machbar. Das sieht nun doch wohl nach einer zu kurzen Zeit aus.
Oder nicht?

Efraim Inbar:
Seit den Abkommen von Oslo sind 17 Jahre vergangen, in denen es keine Möglichkeit für ein Abkommen gab. Sollte das jetzt in einem Jahr gelingen, wäre sicher außer einigen Extremisten niemand böse darüber.
Aber realistisch betrachtet ist die Sache sehr schwer zu bewältigen. Es bedarf wohl mehr als eines Jahres, um so heikle Fragen zu lösen.
Ich würde für einen anderen Ansatz plädieren.
Und für einen Versuch, in der Zwischenzeit die Leiden zu mindern. Das könnte eher gehen als mit einem grandiosen Friedensplan, der, wenn er mißlingt, noch mehr Bitterkeit auslösen wird und möglicherweise eine neue Runde von Gewalt.