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Gas-Poker um russisches Pipeline-Monopol

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Gas-Poker um russisches Pipeline-Monopol

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Russland hat mit Aserbaidschan einen strategischen Gas-Liefervertrag geschlossen. Der staatliche Energieriese Gazprom verdoppelt im kommenden Jahr seine Gaskäufe bei der aserbaidschanischen Staatsfirma SOCAR, Tendenz steigend. Dabei kostet das gekaufte Gas Gazprom mehr als die Eigenproduktion. Gazprom verliert als Re-Exporteur Geld – nach Expertenschätzungen an die 300 Millionen Euro pro Jahr.

Russlands Präsident Dmitri Medwedew bei der Unterschrift:
“Ich denke, wir müssen schwer aufpassen, wenn es um unsere wirtschaftlichen Interessen geht. Wir müssen erkennen, dass jede Seite ihre eigenen Interessen hat und die sind immer pragmatischer Natur. Das Einzige, was uns hier interessiert, ist Geld zu verdienen. Das ist normal.”

Russland will die Gas-Pipeline Nabucco aushebeln. Denn mit dem beschlussreifen 8-Milliarden-Euro-Projekt will die EU mit Energieversorgern wie RWE das russische Pipeline-Monopol nach Europa knacken.

Die rund 3300 Kilometer lange Leitung soll von 2014 an Gas aus dem kaspischen Raum nach Westen transportieren – quer durch die Türkei, Bulgarien, Rumänien und Ungarn. Soll heißen: Um Russland herum.

Gazprom will Nabucco verhindern – die Gasländer rund um das Kaspische Meer sollen möglichst keine Lieferungen zusagen, auch auf Nabucco-Transitländern wie Bulgarien lastet immenser Druck – und sucht Unterstützer für die eigene Konkurrenz-Leitung „South Stream“.

An einer Ostsee-Pipeline baut Gazprom bereits, unter anderem mit dem RWE-Konkurrenten E.ON.

Alles Geplänkel, verglichen mit dem geplanten Ausbau des aserbaidschanischen Gasfeldes Schah Deniz im Kaspischen Meer – ein 20-Milliarden-Euro-Projekt. Dies allein könnte Nabucco zu einem Drittel füllen. Förderpartner BP gilt jedoch seit der Katastrophe im Golf von Mexiko als Wackelkandidat.