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Interview zu "Weltwasserwoche"´

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Interview zu "Weltwasserwoche"´

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Vor 50 Jahren sagte ein Fachmann von der Weltbank, die Kriege im 21. Jahrhundert würden nicht mehr um Land oder Öl geführt werden – sondern um Wasser. Mit diesem immer knapper werdenden Rohstoff beschäftigt sich Jakob Granit vom Internationalen Wasserinstitut in Stockholm.

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Um Wasser kämpfen – das erscheint für uns in Europa weit hergeholt. Wie realistisch schätzen Sie die doppelte Bedrohung ein, die von Bevölkerungwachstum plus Klimawandel ausgeht?

Jakob Granit
Wir haben noch keine Wasserkriege erlebt, wohl aber einen wachsenden Wettbewerb um Wasser.
Wassermangel ist ebenso ein Problem wie Wasserqualität. Dadurch entsteht Konkurrenzkampf innerhalb der Gesellschaft. Den kann man auf verschiedenen Ebenen sehen, auf lokaler, nationaler und grenzüberschreitender Ebene.
Und das schafft Spannungen, aus denen ein Konflikt erwachsen kann.

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Welche Möglichkeiten haben Regierungen, mit dem Problem umzugehen und welche Rolle kann der private Sektor spielen?

Jakob Granit
Wenn man sich die Sache aus grenzüberschreitender Perspektive anschaut, dann ist es sehr wichtig, das Regierungen Informationen austauschen, dass sie beginnen zusammen zu arbeiten, um die gemeinsame Herausforderung zu meistern, die der Umgang mit dem öffentlichen Gut darstellt. Dafür ist nichts so nötig wie die Zusammenarbeit der Regierungen. Zurück zu ihrer Frage nach dem privaten Sektor. Der muss eine große Rolle spielen. Von den “ Kunden”, um mal dieses Wort zu benutzen, haben 2 Milliarden auf diesem Planeten keine sanitären Einrichtungen und mehr als eine Milliarde hat keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Also ist offensichtlich etwas falsch an unserem Verteilungmodell.

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Wie schwierig ist es denn nun, Regierungen und private Unternehmen zu langfristigen Investitionen in effeizienstes Wassermanagement zu ermutigen in diesem angespannten Wirtschaftsklima?

Jakob Granit
Wenn man es aus der Sicht der Nachfrage-perspektive betrachtet, erkennt man, dass es immer Bedarf an sauberem Wasser geben wird.
Für menschliche Bedürfnisse, für Industrie und Landwirtschaft. Es müssen immer die vorhandenen Wasserreserven verwaltet werden.
Aus dieser Sicht ist es immer eine sichere Investion.
Man sieht heute zum Beispiel, dass große Rentenfonds in Wasser investieren.
Dieser Bereich wächst nicht eben schnell, der Profit ist nicht sehr groß, vielleicht kann es mit der Zeit eine sehr sichere Anlage werden.
Aber die Regierungen müssen politische Voraussetzungen schaffen, damit diese Art von Investitionen für den privaten Sektor gewinnbringend und erstrebenswert wird.