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Ein Gipfel - zwei Versionen

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Auf dem EU-Gipfel in Brüssel ist der Streit über die französischen Roma-Abschiebungen eskaliert. Laut Beobachtern sollen die Diskussionen beim Mittagessen sehr aggressiv verlaufen sein. EU-Vizekommissionspräsidentin Viviane Reding hatte die Ausweisungen vor einigen Tagen indirekt mit den Deportationen im Zweiten Weltkrieg verglichen. Frankreich sprach diesbezüglich von verbalen Entgleisungen.

Die Gesamtheit der Staats- und Regierungschefs sei schockiert gewesen angesichts der übertriebenen Wortwahl der Vizepräsidentin der Kommission Viviane Reding, erklärte der französische Präsident Nicolas Sarkozy.

Er, Sarkozy, kenne Herrn Barroso gut und schätze ihn. Er habe ihn als Kommissionspräsidenten unterstützt und er habe es geschätzt, dass sich Barroso von der Ausdrucksweise seiner Vizepräsidentin distanziere. Als französischer Staatschef könne er die Beleidigung nicht auf seinem Land sitzen lassen.

Im Gegensatz zu Sarkozy versuchte die Kommission zu beschwichtigen, doch die Tragweite des Streits konnte auch sie nicht schön reden.

EU-Kommissionschef José Manuel Barroso erklärte, die Kommission nehme ihre Rolle als Hüterin der Verträge wahr. Jede Form der Diskriminierung ethnischer Minderheiten in Europa sei inakzeptabel. In der lebhaften Debatte seien tatsächlich zugespitzte Kommentare gefallen. Die Vizepräsidentin habe das am Vortag selbst zugegeben. Andere sollten auch darüber nachdenken. Auch die Kommission könnte sich über eine gewisse Rhetorik beschweren.

Barroso machte auch klar, dass man sich nicht weiter ablenken lassen dürfe: Wichtige Themen wie die gemeinsame Außenpolitik oder der Euro-Stabilitätspakt standen auch auf dem Programm des Gipfels. So blieb zwischen den Wortgefechten Zeit für die Besiegelung des Freihandelsabkommens zwischen der EU und Südkorea.