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Vier Anklagen vor Tribunal gegen Rote Khmer

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Vier Anklagen vor Tribunal gegen Rote Khmer

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Mehr als dreißig Jahre nach der Schreckensherrschaft der Roten Khmer in Kambodscha sind vier prominente Vertreter des Regimes angeklagt worden, darunter Nuon Chea alias “Bruder Nummer Zwei”, einst Chefideologe und Stellvertreter des Diktators Pol Pot.

Auch der frühere Staatschef Khieu Samphan muss sich veranworten – wegen Kriegsverbrechen, Völkermords und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Angeklagt sind auch Ieng Sary, der ehemalige Außenminister, sowie dessen Frau Ieng Thirith, die Sozialministerin war.

Der Prozess vor dem UN-gestützten Tribunal soll Mitte nächsten Jahres beginnen.

“Es war nicht immer einfach bei all der öffentlichen Beachtung des Verfahrens,” sagte Marcel Lemonde, ein französischer Ermittlungsrichter, “aber wir haben es bis hierher geschafft, und das ist natürlich sehr befriedigend.”

Das Gericht wurde von den Vereinten Nationen und Kambodscha in Phnom Penh eingerichtet.

Im ersten Prozess wurde im Juli Kaing Guek Eav alias Duch, Direktor des berüchtigten Foltergefängnisses “S-21”, zu 35 Jahren Haft verurteilt. Die Strafe wurde später auf 19 Jahre reduziert, was viele Kambodschaner als zu milde kritisierten. Den Roten Khmer wird der Tod von Millionen von Menschen zur Last gelegt. Sie wurden hingerichtet, verhungerten oder starben an Seuchen oder den Folgen von Zwangsarbeit.

Die Roten Khmer herrschten in Kambodscha bis 1979, dann marschierten Truppen des sozialistischen Nachbarn Vietnam ein. Es folgte ein Bürgerkrieg, der bis Ende der 90er Jahre dauerte, als die letzten Rote-Khmer-Guerillas kapitulierten. Pol Pot starb 1998.