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Afghanistans aussichtsreichster Oppositionskandidat

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Afghanistans aussichtsreichster Oppositionskandidat

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Abdullah Abdullah, Afghanistans ehemaliger Außenminister, Sprecher und enger Freund des militärischen Führers der Nordallianz Ahmad Schah Massoud ist der wichtigste Oppositionskandidat bei den Präsidentschaftswahlen in Afghanistan. Beim Urnengang von 2009 lag er dicht hinter Hamid Karsai, zog seine Kandidatur dann aber aus Protest gegen Wahlmanipulationen zurück. Der polyglotte Augenarzt ist selbst halb Paschtune, halb Tadschike und gilt als Mittler zwischen den verschiedenen Volksgruppen. Seine Anhänger feieren ihn als Afghanistans Obama. Kurz vor den Wahlen sprach Euronews mit Dr. Abdullah Abdullah über wichtige Fragen seines Landes.

Euronews-Reporter Mustafa Bag fragte zunächst, was sich in Afghanistan nach dieser Wahl ändern wird und was die Erwartungen des afghanischen Volks seien.

Dr. Abdullah Abdullah: Die Afghanen wollen, dass ihre Kandidaten ins Parlament kommen und dort ihre Rechte und Interessen vertreten. Aber gleichzeitig sind die Afghanen um ihre Sicherheit besorgt und befürchten Wahlbetrug. Die Afghanen wollen, dass sich Unregelmäßigkeiten wie in der vergangenen Präsidentschsaftswahl diesmal nicht wiederholen. Für sie ist das die alles entscheidende Frage. Deswegen werden die Afghanen auch an der Wahl teilnehmen. Sie sind sehr interessiert an der Wahl.

Euronews: Der Krieg in Afghanistan dauert an. Sind Sie der Ansicht, dass die amerikanischen, die westlichen Truppen oder die NATO in diesem Krieg erfolgreich waren oder sind sie gescheitert?

Dr. Abdullah Abdullah: Ich denke, dass der Krieg an einem sehr kritischen Punkt angelangt ist. Aber leider konnte die afghanische Regierung ihre Chancen nicht nutzen. Auch die internationale Gemeinschaft hat Fehler in Afghanistan gemacht. Heute hat das afghanische Volk Zweifel, ob es diesen Krieg gemeinsam mit der internationalen
Gemeinschaft gewinnen kann. In den vergangenen ein, zwei Jahren haben die Taliban ihren Einflussbereich vergrößert. Ich weiß nicht, ob die Weltgemeinschaft versagt hat oder nicht. Es gibt zu viele Probleme. Wenn dafür keine Lösung gefunden wird, wird die Lage in Afghanistan sich immer weiter verschlechtern.

Euronews: Wenn Sie die Politik von Obama und
George Bush vergleichen – worin unterschiedet sie sich? Denken Sie, dass Präsident Obama das Schicksal Afghanistans verändern kann?

Dr. Abdullah Abdullah: Das Schicksal Afghanistans liegt in den Händen seines eigenen Volkes. Die Afghanen erwarten aber von der internationalen Gemeinschaft und von der US-Regierung Hilfe, Frieden im Land zu schaffen. Meiner Ansicht nach liegt der Unterschied der Politik früher zu heute darin, dass die Afghanistan-Frage zum zentralen Punkt in Obamas Politik geworden ist. Das war sehr wichtig. Aber gleichzeitig haben die Afghanen viele Fragen. Obamas Botschaft an das afghanische Volk und die Region ist unklar. Die Zusammmenarbeit ist zwar enger als zuvor – die verstärkte militärische und soziale Unterstützung ist gut, aber die Botschaft an das Volk ist weiter unklar.

Euronews: Wie sieht es mit den Rechten der Frauen in Afghanistan aus. Entspricht der Fortschritt da den Erwartungen?

Dr. Abdullah Abdullah: Es gibt Fortschritte bei den Rechten der Frauen, den Menschenrechten und der Demokratie. Inzwischen gibt es Bildung und Arbeit für Frauen. Aber noch haben wir in punkto Gleichberechtigung viele Probleme in unserer Gesellschaft. Es gibt Diskriminierung in unserem Land. Ich denke wir brauchen in Afghanistan wirtschaftliche, politische, bildungstechnische und kulturelle Entwicklung. Diese Entwicklung geht nur sehr schleppend voran. Auf der anderen Seite sind Frauenrechte und Menschenrechte allgemein in der von den Taliban kontrollierten Region völlig am Boden.

Euronews: Herr Dr. Abdullah Abdullah vielen Dank für das Gespräch.

Dr. Abdullah Abdullah: Dankeschön.