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Die afghanische Abgeordnete Schukria Baraksai

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Die afghanische Abgeordnete Schukria Baraksai

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Um die Sitze im afghanischen Unterhaus bewerben sich mehr als 400 Frauen; eine von ihnen ist Schukria Baraksai. Die 37-jährige hat Geologie und Archäologie studiert; sie hat sich als Journalistin einen Namen gemacht und ist wegen ihres Einsatzes für die Rechte der Frauen bekannt. Im Jahre 2004 wurde sie ins Parlament gewählt. In ihrem Wahlkreis in Kabul setzte sie sich gegen zahlreiche männliche Kandidaten durch; einer von ihnen ist ihr Ehemann. Nun bereitet sie sich auf eine Kandidatur bei der Präsidentenwahl im Jahre 2014 vor.

Euronews
Frau Baraksai, was erwarten Sie von diesen Wahlen?

Baraksai
Diese Wahlen finden unter schwierigen Umständen statt. Das afghanische Volk hofft auf ein gutes Parlament, dass im Einklang mit den Gesetzen die Ausführung und Anwendung des Rechs überwacht, die Korruption ausrottet, den Frieden herstellt und die Einheit des Landes festigt.
Doch unter den gegenwärtigen Verhältnissen, und angesichts der Kriterien für die Zulassung der Kandidaten, sind die künftigen Abgeordneten mit diesen Erwartungen überfordert. Aber die Hoffnung besteht, dass sich die Bevölkerung Afghanistans bereit zeigt, die Demokratie im Lande zu verwirklichen. Das Parlament ist eine Institution, die aufgebaut und fest etabliert werden muss. Deshalb sind wir verpflichtet, diese Wahlen durchzuführen. Hoffen wir, dass das neue Parlament dem afghanischen Volk einen besseren Dienst leisten wird.

Euronews
Ein interessanter Aspekt dieser Wahlen ist der zahlenmäßige Anteil weiblicher Kandidaten. Was versprechen sich die Frauen Afghanistans von ihrer Teilnahme?

Baraksai
Menschen in Afghanistan, dass man ihre Stimmen im Parlament noch besser hört. Sie wollen, dass ihnen noch mehr spezielle Projekte gewidmet werden – und ein Budget, mit dem besondere Gesundheits- und Bildungsprogramme finenziert werden, und das Frauen hilft, Arbeit zu finden.
Was die Zahl der Kandidatinnen betrifft, muss man sagen, dass Frauen in Afghanistan mit viel mehr Schwierigkeiten konfrontiert sind als Männer. Aber wir freuen uns, dass die Zahl der Kandidatinnen zeigt, dass sich Frauen ihrer Lage bewusst sind, und ich hoffe, dass immer mehr Frauen an diesem Prozess teilnehmen können.

Euronews
Sollten Sie bei dieser Wahl erfolgreich sein, was würden Sie für die Frauen tun, und was sind ihre allegemeinen Vorhaben?

Baraksai
Ich werde eine politische Partei namens “Dritte Linie” anführen. Wir sind Reformer und glauben, dass man die Verhältnisse verbessern kann. Das afghanische Establishment sollte sich von der Herrschaft der Ältesten verabschieden und den Rechtsstaat einführen.
Unsere Arbeit für das afghanische Volk und insbesondere die Frauen besteht nicht aus Wahlsprüchen. Wir haben uns gegenüber der Welt und den Frauen verpflichtet, diesen Weg weiterzugehen, im Parlament oder außerhalb.
Ich möchte auch für mich feststellen, dass ein Parlamentsmandat nicht mein höchstes Ziel ist. Ich habe vielmehr eine Menge Träume für mein Land und mein Volk, und ich glaube, dass die Menschen in Afghanistan das beste verdienen. Ich will nicht nur, dass sie gute Parlamentsabgeordnete haben, sondern dass sie in Würde und Freiheit leben.