Eilmeldung

Eilmeldung

La Traviata berauscht Tokio

Sie lesen gerade:

La Traviata berauscht Tokio

Schriftgrösse Aa Aa

Seit fast zwei Jahrzehnten ist das Londoner Royal Opera House nicht mehr zu Besuch in Japan gewesen. Jetzt sind sie zurück in Yokohama und Tokio und präsentieren unter anderem Verdis Traviata. Die von Sopranistin Ermonela Jaho interpretierte Heldin Violetta ist Südländerin und irgendwie auch universell zugleich.

Ermonela Jaho: “Hinter dem Charakter der Kurtisane steckt in Violettas Persönlickeit eine Frau, die verliebt ist. Liebe mit einem großen L. Und sie ist eine Frau, von der Opfer verlangt werden – mit einem großen O.”

Für Antonio Pappano, Musikdirektor des Royal Opera House, liefert Violettas Wahl jede Menge Denkanstöße.

“Diese Idee der Selbstaufopferung ist heutzutage nicht gerade in Mode. Wir sind es nicht gewohnt, Opfer zu bringen, besonders junge Leute nicht, die alles gleich wollen.”

Die Tournee in Japan gibt dem Orchester auch die Möglichkeit Erfahrungen mit einem ganz anderen Publikum zu sammeln. Konzertmeister ist Peter Manning. Es ist bereits sein achter Besuch im Land der aufgehenden Sonne. “Es ist eine große Erfahrung in die Oper zu gehen, sie laufen durch diese Tür und sind in einer anderen Welt. Wenn diese andere Welt besser durch die Idee wird, dass es eine fantastische Energie in dem Saal gibt… ja, die Energie hier in Japan macht das möglich. Es ist ein sehr aufregendes Publikum, sie sind außergewöhnlich leise. Musiker mögen die Idee, dass es eine Art Raum gibt, der Stille heißt. Ich mag das, es ist eine wunderbare Sache, speziell in Japan, denke ich.”

Maestro Pappano erwähnt noch eine Art von Stille.“Die schönste Sache ist diese Stille, einen Sänger zu sehen, der überlegt und seinen Kollegen zuhört. Dann wird das alles reales Theater. Ich bin nicht daran interessiert, Sänger zu sehen, die perfekt im Tempo die Töne halten, die in der Mitte der Bühne wie ein Depp stehen – dass interessiert mich überhaupt nicht.”

Als Kind träumte Ermonela Jaho davon, so wie Maria Callas zu werden. Heute erlebt sie Oper als eine Therapie. Sie ist eine großzügige, fast furchtlose Künstlerin. “Es ist ein bisschen schwierig für mich, meine Stimme während der Vorstellung zu steuern, weil ich mich ganz und gar dem Singen hingebe. Warum sollte man sich zurückhalten? Es ist ein magischer Moment. Ich liebe es. Es kann sein, dass meine Karriere kürzer ist, aber ich habe zumindest die Magie bis zum Ende ausgelebt.”