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Energiegpfel in Washington: Öko-Energien reichen nicht

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Energiegpfel in Washington: Öko-Energien reichen nicht

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Der Energiehunger wächst weltweit – wie kann man ihn stillen und das möglichst umweltschonend ?

Das haben mehr als 200 Energie-Experten aus rund 15 Ländern in Washington diskutiert, um den richtigen Mix zu finden von Energiepolitik, Ressourcen und Technologien.

Ihre Erkenntnis: Die vielen Bemühungen in vielen Ländern um erneuerbare und saubere Energie reichen nicht, um den Energiebedarf der Welt auch nur teilweise zu befriedigen – besonders für die Mobilität. Hier bleibt die Welt noch viele Jahre lang auf fossile Brennstoffe angewiesen. Sie bleiben die wichtigste Energiequelle, so die Experten.

Das wissen auch die Öl produzierenden Länder. Die Vereinigten Arabischen Emirate zum Beispiel investieren massiv in die Ölförderung und in neue Bohr-Technologien.

Mohamed bin dha’en al Hamli, Energieminister der Vereinigten Arabischen Emirate:

“Fossile Brennstoffe dominieren die Welt. Und daran dürfte sich die nächsten 40 Jahre kaum etwas ändern.”

Vor diesem Hintergrund investieren auch einige afrikanische Länder – wie Angola – massiv in die Förderung. Das Land verzehnfachte seine Produktion von 170.000 Barrel pro Tag im Jahr 1974 auf fast 1.800.000 Barrel heute. Aber das Land fördert auch saubere Energien – so der Erdöl-Minister gegenüber euronews.

Jose Maria Botelho de Vasconcelos, Erdölminister von Angola:

“Für Angola ist das Öl sehr wichtig. Aber wir sind auch dabei, unsere Wirtschaft zu diversifizieren. Ich rede von Strom aus Wasserkraftwerken, Bio-Kraftstoff-Projekten und weiteren Energiequellen wie Sonne und Wind.”

Wichtiges Gesprächsthema war auch die Ölpest im Golf von Mexiko. Es ist die größte menschengemachte Katastrophe in der Geschichte der Erdölindustrie: mehr als 4 Millionen Barrel Rohöl liefen ins Meer.

Trotzdem gilt die Tiefseebohrung als unverzichtbar für die Ölversorgung der Weltwirtschaft. Wie geht das zusammen mit dem Bedürfnis nach Sicherheit? James Noe, Manager eines Bohr-Unternehmens im Golf von Mexiko, überraschte viele mit seiner Antwort. Er findet die Verhütung solcher Unfälle durch bessere Technologien der Tiefsee-Ölförderung gut. Aber noch wichtiger seien “Bewältigungs-Maßnahmen”, um nach einem Unfall die Schäden an den Stränden zu begrenzen.

James Noe, Hercules Offshore:

“Als wichtigste Lektion haben wir gelernt, dass wir spezielle Ausrüstung brauchen, Geräte, die am Strand bereitstehen, wenn unter Wasser Öl austritt. Das braucht keine hoch-technologische Entwicklung sein. Die Ausrüstung sollte nur überall betriebsbereit verfügbar sein.”

Während des Gipfels kam auch Frankreichs Sonderweg zur Sprache – hier deckt Kernenergie gut drei Viertel des Strombedarfes ab. In 20 Jahren wurden 58 Reaktoren gebaut. Deshalb ist in Frankreich Energie relativ billig: Sie kostet rund 40% weniger als in Deutschland.

Bleiben die Probleme Sicherheit und Nuklear-Abfall. Laut Catherine Cesarsky, französische Hochkommissarin für Atomenergie, fällt in den schnellen Reaktoren der neuen “Generation 4” weniger Abfall an, weil sie mit schnellen Neutronen arbeiten.

Catherine Cesarsky, französische Hochkommissarin für Atomenergie:

“Heute verwenden wir in den Reaktoren Flüssigkeit, zum Beispiel um die Neutronen zu bremsen, so dass bestimmte Reaktionen optimiert werden. Aber das Ergebnis ist – man verbrennt nur 0,7% des Urans. Schnelle Neutronen könnten das Energie-Potential eines Uranstabes mit bis zu 100 multiplizieren. Es bleibt immer ein wenig Abfall übrig. Aber im Rahmen der sogenannten Generation 4 wird die Menge wirklich sehr klein.”

Für Jerry Hinkle von der American Clean Skies-Stiftung ist weiter erheblicher Einsatz gefragt – allerdings weniger von der Forschung, so sein Fazit des Gipfels von Washington. Die “Stiftung sauberer Himmel” ist eine gemeinnützige Organisation, sie fördert Amerikas Energie-Unabhängigkeit und eine sauberere, kohlenstoffarme Umwelt durch den vermehrten Einsatz von Erdgas, erneuerbarer Energien und mehr Effizienz.

Euronews:
“Nach diesem Gipfel in Washington, scheint eine verstärkte Nutzung von erneuerbaren Energien noch immer Zukunftsmusik. Stimmt das ?”

Jerry Hinkle, American Clean Skies-Stiftung:

“Ja, ganz allgemein stimme ich da zu. Es braucht noch eine Menge Arbeit – eine Menge technische Probleme sind bereits gelöst. Aber das alles kommerziell nutzbar zu machen, das ist die eigentliche Herausforderung.”

Die Europäische Union peilt einen Anteil erneuerbarer Energien an von 20% bis 2020. Europa könnte das vielleicht schaffen. Aber, so das Fazit des Gipfels in Washington – für viele andere Länder bleibt das bis auf Weiteres ein Ding der Unmöglichkeit.