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Moskaus mächtiger Bürgermeister Luschkow entlassen

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Moskaus mächtiger Bürgermeister Luschkow entlassen

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Das gemütliche Schmunzelgesicht unter der Schiebermütze, von der gemunkelt wurde, sie sei schußsicher – so kennen die Russen Juri Luschkow.

Denn der Bürgermeister der russischen Hauptstadt ist natürlich eine Figur von nationaler Bedeutung.

Er regiert die mit mehr als 10 Millionen Einwohnern größte Stadt Europas und verwaltet dabei einen Haushalt, der größer ist als der Staatshaushalt der Ukraine.

Ihm verdankt der heute 74 jährige seinen Aufstieg.

Als Boris Jelzin in den letzten Jahren der Sowjetmacht Parteichef von Moskau wurde, förderte er den umtriebigen studierten Ölingenieur Luschkow.

Nach dem Ende des Kommunismus wurde Jelzin zum Präsidenten gewählt – und Luschkow zum Bürgermeister der Hauptstadt. Dreimal gewann er die Wahl, ehe dann unter Präsident Putin die Regeln geändert und Bürgermeister wie Gouverneure vom Kreml ernannt wurden.

Da hatte der Bürgermeister schon kräftig für den Umbau der Hauptstadt gesorgt. Neben Glitzerfassaden hatte es ihm vor allem der Wiederaufbau der von Stalin geschleiften Christus-Erlöser-Kathedrale angetan. Wie praktisch, dass seine Ehefrau ein großes Bauunternehmen ihr Eigen nennt! Der Gatte legt den Grundstein – die Gattin bekommt lukrative Aufträge für die entsprechenden öffentlichen Bauten.

Hier einmal das Ehepaar Luschkow-Baturina zusammen.

Der Lederhosen-Look steht für Luschkows liebstes Urlaubsziel – Kitzbühel in Österreich.
Dort erholte er sich auch in guter Luft, während in diesem Sommer die Bürger seiner Stadt unter Rauch und Hitze stöhnten. Den Bienen, seinem Hobby, sei mehr Fürsorge zuteil geworden als den Bürgern, hieß es in diesen Fernseh-Spot, mit dem russische Staatsmedien die Entmachtung publizitisch vorbereiteten.

“дело в копке” – “Der Fall des Schirmmützen-Trägers” wurde zum Politikum.

Regiert hat Luschkow nach Gutsherrenart – Andersdenkende wurden mit Verboten überzogen.
Nicht nur Homosexuelle, die eine “Love-Parade” feiern wollten, bekamen Polizeiknüppel zu spüren.
Aber letztlich wurden dem Mächtigen wohl weniger Vetternwirtschaft und undemokratische Methoden zum Verhängnis. Luschkow gilt als Mann Putins.

Und der, so wird gemunkelt, möchte 2012 zurück in den Kreml. Russische Medien hatte dem derzeitigen Kreml-Chef Medwedew “zögerliches Regieren” vorgeworfen. So wird diese Entscheidung als erster echter Machtbeweis des Präsidenten Medwedew gewertet.

Ob für Juri Luschkow der Tanz wirklich schon zu Ende ist, wird sich zeigen.