Eilmeldung

Eilmeldung

Generalstreik in Spanien nur teilweise erfolgreich

Sie lesen gerade:

Generalstreik in Spanien nur teilweise erfolgreich

Schriftgrösse Aa Aa

Spaniens erster Generalstreik seit acht Jahren hat nicht das ganze Land lahmgelegt – aber macherorts für Stimmung gesorgt.

Wie zum Beispiel in der Hauptstadt Madrid: Dort organisierten Anhänger der Streikenden eine Fahrrad-Demo, gerieten aber stellenweise mit der Polizei aneinander, die ihnen die Fahrräder abnehmen wollte…

Insbesondere Verkehrsunternehmen, Großbetriebe und Touristen waren betroffen. In Autofabriken kam die Produktion zum Erliegen, auch bei Stahlunternehmen machte der Streik sich bemerkbar. An den Flughäfen wurden nach Angaben der zuständigen Behörde fast zwei Drittel der geplanten Flüge auch abgewickelt.

Der 24stündige Ausstand richtete sich gegen die Sparpolitik und die Arbeitsmarktreform der Regierung Zapatero.

“Sie können einen jetzt viel leichter feuern, sie können einen zu schlechteren Konditionen einstellen, die Löhne sinken, überall wird abgebaut, die Leute haben weniger Geld und sind wütend, sie wollen eine bessere Lage”, klagt ein Streikender.

“Das Parlament hat für die Arbeitsmarktreform gestimmt – also ist dieser Streik in meinen Augen undemokratisch!” findet hingegen ein älterer Passant in Madrid.

Auch wenn vielerorts vom Streik nichts zu spüren war, sprachen die Gewerkschaften von siebzig Prozent Beteiligung. Und sie sind zuversichtlich:

“Die UGT ist überzeugt, dass die Regierung einen Rückzieher macht und ihre Haushaltspläne korrigiert und auch bei der Arbeitsmarktreform zurückrudert. Alle Regierungen seit dem ersten Generatstreik haben einen Rückzieher gemacht”, erklärt Gewerkerschafter Roberto Tornamira Sánchez.

Laut Regierung verlief der Ausstand “normal”. Sie hat angesichts der Krise – jeder fünfte Spanier ist arbeitslos – wenig Spielraum. Die Arbeitsmarktreform hat das Parlament passiert. Das jahrelange Einvernehmen mit den Arbeitnehmerverbänden endete, als die Regierung bei der Arbeitsmarktreform den Kündigungsschutz lockerte.

Eindrücke unseres Sonderkorrespondenten in Madrid: “Hier fühlt man eine Mischung aus Anspannung und Skepsis. Anspannung bei den Streikposten, die mit allen Mitteln verseuchen, die Leute in den Kampf gegen die Arbeitsmarktreform einzuspannen. Und Skepsis, weil die Menschen denken, dass es mit oder ohne Reform so schnell keinen Ausweg aus der Krise gibt.”