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Was steckt hinter Brasiliens Wirtschaftserfolg?

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Was steckt hinter Brasiliens Wirtschaftserfolg?

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Nicht kleckern sondern klotzen – soll gewöhnlich solch ein Auftritt bei Börsengängen besagen.

Und genau so haben sie es in der vergangenen Woche in Sao Paulo gemeint – der scheidende brasilianische Präsident Lula da Silva und die Herren von Petrobras. Die für das Land so wichtige Erdölfirma verkaufte Aktien im Wert von 52 Milliarden Euro!

“Nicht in Frankfurt, in London oder New York – sondern in Sao Paulo findet die größte Kapitalerhöhung in der Geschichte des Kapitalismus statt”, freute sich der ehemalige Gewerkschaftsführer, der sich als Präsident so gar nicht Kapitalismus-feindlich gezeigt hat.

Als eher pragmatisch wird seine Wirtschaftspolitik in die Geschichte eingehen. Als Marktwirtschaft mit bewußt gesetzten sozialen Schwerpunkten.
Dazu gehört, die gewaltigen Erdölreserven vor der Küste des Landes als Chance zu begreifen, deren Nutzung man finanzieren muss.

Bisher exportiert die acht-größte Wirtschaftsmacht des Planeten vor allem Produkte der Landwirtschaft – vom berühmten Café über Zucker, Fleisch bis zu Ethanol als Benzin-Ersatz. Bei all diesen Produkten ist Brasilien der weltgrößte Exporteur.

Die internationale Finanzkrise hat Brasilien ganz gut überstanden, die Wirtschaft zeigt sich dynamisch.
Für das laufende Jahr wird ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 6,5 % erwartet, auf die Arbeitslosenrate von 6,7 % können so manche EU-Länder neidisch sein. Das alles bei einer Inflationsrate von 5,5 %. Die 90er Jahre mit ihren dreistelligen Inflationsraten hat Brasilien lange hinter sich gelassen.

Natürlich ist das nicht alles Lulas Verdienst.
Er hat allerdings die von seinem Vorgänger eingeleiteten Maßnahmen zur Gesundung der Wirtschaft klug weitergeführt. – und damit seinen sozialen Ansätzen eine gewisse Stabilität verliehen.
Seit Lulas Amtsantritt 2003 sind 29 Millionen Brasilianer in die Mittelschicht aufgestiegen – und weitere 20,5 Millionen schafftes es, die Armut hinter sich zu lassen.

Brasilien ist noch lange kein “gelobtes Land” für alle seine 195 Millionen Einwohner. Vor allem in die Bildung muss noch viel mehr investiert werden, lautet die Botschaft des scheidenden Präsidenten.
Und natürlich auch in die Infrastruktur des riesigen Landes.