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Bosnien wählt neue Köpfe für den alten Streit

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Bosnien wählt neue Köpfe für den alten Streit

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Bosnien-Herzegowina wählt am Sonntag: die Parlamente in beiden Landeshälften, die von Serben einerseits und Muslimen gemeinsam mit Kroaten andererseits kontrolliert werden. Die gut drei Millionen Wähler entscheiden auch über den Präsidenten des serbischen Landesteils und das kollektive bosnische Staatspräsidium,
in dem ein Muslim, ein Serbe und ein Kroate sitzen.

Das dreiköpfige Präsidentenkollektiv ist zerstritten – die drei Ethnien repräsentieren die beiden Teilrepubliken und lösen sich alle acht Monate an der Spitze ab – das blockiert den Balkanstaat seit vielen Jahren.

Klingt kompliziert, ist kompliziert und bleibt es nach den Umfragen wohl auch.

So sehen die Serben, rund ein Drittel der Bevölkerung, für Bosnien keine Zukunft mehr und wollen raus aus dem Gebilde. Laut Regierungschef Milorad Dodik soll ihre Teilrepublik, “de facto selbstständig werden.”

Genau deshalb bewegt sich im Land nichts, da sind die Muslime überzeugt – insgesamt sind sie knapp in der Mehrheit. Sie haben einen möglichst homogenen Staat zum Ziel.

Die Kroaten schließlich wünschen sich einen möglichst autonomen Status im bestehenden Bosnien.

Auf internationalen Druck war Bosnien-Herzegowina nach dem Bürgerkrieg (1992-1995) neu organisiert worden – bisher ist nur die Armee einigermaßen homogen. Das Land gilt als so gut wie unregierbar. Die Wirtschaft liegt am Boden, der Staatsapparat verschlingt den Löwenanteil der Finanzhilfen in Milliardenhöhe.