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Der Kampf um die Nachfolge von Präsident Lula

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Der Kampf um die Nachfolge von Präsident Lula

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In Brasilien wird mit dieser Präsidentenwahl in jedem Fall ein wichtiger Abschnitt der Geschichte beendet. Jener des Luis Ignacio Lula da Silva .
Der charismatische Präsident, der seine politischen Lehrjahre in trotzkisch geprägten Gewerkschaften verbrachte, tritt ab. Klugerweise hat er beizeiten der Versuchung widerstanden, für eine weitere Amtszeit die Verfassung zu ändern – was in Lateinamerika ja keinesfalls unüblich wäre.

Aber um seine Nachfolge hat sich Lula natürlich rechtzeitig gekümmert. Seine enorme Popularität – 80 Prozent Zustimmung bei Umfragen – soll nun einer Frau zum Einzug in den Präsidentenpalast verhelfen. Sie ist 62 Jahre alt, in Bulgarien geboren.
Ihr Name Dilma Rousseff.

Regierungserfahrung hat sie unter Lula als Ministerin gesammelt, zuletzt war sie für das enorm wichtige Investitionsprogramm der Regierung verantwortlich. Zweimal geschieden, Großmutter. Im vergangenen Jahr hat sie eine Tumorbehandlung überstanden.

Als Kämpfernatur zeigte sich “Dilma”, wie sie in Brasilien nur genannt wird, schon in jungen Jahren.
Sie kämpfte aktiv gegen die Diktatur, wurde verhaftet und gefoltert.

Ihre vielleicht einzige Schwachstelle: Dies ist ihr erster Wahlkampf. Auch wenn sie dafür natürlich die Fachleute ihres Ziehvaters Lula an ihrer Seite hat: Wähler zu überzeugen, das muss sie nun im Eilverfahren lernen.

So verfolgen die Wähler auch mit Spannung das Streitgespräch mit ihrem wichtigsten Konkurrenten, dem konservativen Kandidaten José Serra. Der hat bereits 2002 einen Präsidentschaftswahlkampf geführt – und damals gegen Lula verloren.

Unter Lulas Vorgänger war Serra bereits Minister. Zuletzt führte er Brasiliens reichsten Bundesstaat Sao Paulo als Gouverneur. Die Umfragen sehen für ihn allerdings wenig hoffnungsvoll aus.

Es ist noch eine Frau mit im Rennen um die Präsidentschaft. Marina Silva kandidiert für die Grünen. Unter Lula war sie Umweltministerin – verließ die Regierung aber im Streit um die Richtung der brasilianischen Umweltpolitik.
Sie stammt aus Amazonien, was ihre Sensibilität für Umweltfragen erklärt. So ist auch ihr Programm vor allem auf nachhaltige Entwicklung im Einklang mit der Umwelt und auf soziale Fragen ausgerichtet.