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Interview Maria do Scorro Braga

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Interview Maria do Scorro Braga

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Nach zwei Amtszeiten ist Lula da Silva der populärste Politiker, den Brasilien jemals hatte.

Daher die Frage an die Professorin für Politikwissenschaften in Sao Paulo,
Maria do Socorro Braga:
Wird diese Präsidentenwahl eine Art Volksabstimmung über die Politik von Präsident Lula da Silva?

Maria do Sacorro Braga
So ist es. Seit Beginn des Wahlkampfes hämmert Lula den Leuten ein, wieviel Gutes unter seiner Regierung erreicht wurde.
Seine Popularität hat bisher unbekannte Höhen erreicht. Er geniesst bis zu 80 Prozent Zustimmung.
Und seine Kandidatin Dilma Rousseff lässt er von dieser großen öffentlichen Zustimmung profitieren.

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Trotz des Vorsprungs in allen Umfragen bleibt ein Zweifel, ob Dilma Rousseff es gleich im ersten Wahlgang schaffen wird. Reicht da die Unterstützung durch Lula möglicherweise doch nicht ganz aus?

Maria do Sacorro Braga
Die Unterstützung von Lula wirkt sehr stark.
Warum sage ich das?
Weil seine Kandidatin keine Erfahrung hat im direkten Umgang mit den Wählern in Brasilien
Es ist ihr erster Wahlkampf, und der ist äußerst wichtig. Trotz dieses Mankos hat sie bisher einen guten Wahlkampf gemacht, vielleicht ein wenig früh. Sie begann schon im August. Dabei schaffte sie es, dass ihr Wahlkampf eine gewisse Eigendynamik entwickelt hat, sie bekommt sehr viel öffentliche Unterstützung. Es ist wichtig, dass diese große Partei die Popularität des aktuellen Präsidenten und seiner Sozialpolitik weitertragen kann.

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Wer steht hinter dem Kandidaten José Serra?
Sind das nur die traditionellen Wähler seiner sich “sozialdemokratisch” nennenden Partei, die eher “Mitte-Rechts” einzuordnen ist – oder sind es auch von Lula Enttäuschte?

Maria do Socorro Braga
Nein. Ich denke, die von Lula enttäuschten Wähler wenden sich Marina da Silva zu. Sie steht bei uns für einen dritten Weg. Seit einem Monat steigen ihre Werte in den Umfragen, seit einem Monat hat sie mehr zulegen können als der Kandidat José Serra, der auf gleichem Niveau blieb, eher noch etwas verlor.

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Frau Professor, international wird Lula gleichgesetzt mit Umweltschutz. Und dann taucht im Wahlkampf eine Kandidatin auf, die man als Dissidentin aus seiner Arbeiterpartei fortgehen sah.
Wird die Umwelt zu einem Bereich, den die brasilianischen Wähler immer wichtiger nehmen?

Maria do Soccrro Braga
Es gibt da eine weltweite Besorgnis wegen der Probleme, die das kapitalistische System schafft, wegen der Klimaerwärmung.
Die Sorge darum existiert weltweit, man sieht sie auch außerhalb der Grenzen unseres Landes.
Die Regierung von Lula hat dieser Sorge Rechnung getragen, indem das Thema in das Wahlprogramm von Dilma Eingang fand.
Die Kandidatin Marina aber hat sich der grünen Partei angeschlossen, deren Hauptpunkte Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung sind, der Schutz der Regenwälder.
Seit dem Beginn ihrer politischen Karriere hat Marina immer die Fahne des Umweltschutzes hochgehalten….bis zu ihrem Bruch mit Lula und dem Übertritt zur Partei der Grünen.

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Vielen Dank, Frau Professor.
Am Sonntag verabschiedet sich Brasilien von Lula da Silva – der wird aber politisch aktiv bleiben.
Er hat schon eine Stiftung zum Kampf gegen den Hunger in Afrika gegründet.