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Donauschützer: "Keine Gifte in Flußnähe lagern"

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Donauschützer: "Keine Gifte in Flußnähe lagern"

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Bei der bisher schlimmsten Umweltkatastrophe in Ungarn hatte giftiger Industrieschlamm aus einer Aluminiumhütte im Westen des Landes mehrere Orte überschwemmt und vier Menschen in den Tod gerissen. Über kleinere Nebenflüsse droht der toxische Schlamm nun die nahe Donau zu erreichen, beschleunigt durch den Regen.

euronews sprach mit dem Exekutiv-Sekretär der Internationalen Kommission zum Schutz der Donau, Philip Weller.

euronews:
Herr Weller, was muss jetzt getan werden, um ein Ausbreiten des giftigen Schlamms in der Donau zu verhindern?

Weller:
Ganz wichtig ist, dass Schlamm und Gift nicht in größere Flüsse wie die Donau hineinkommen, es ist in einem Nebenfluss im Moment und die ungarischen Behörden versuchen zu verhindern, dass es in die Donau kommt, wo es sich über die Grenze hinaus ausbreiten könnte.

euronews:
Angenommen, die Behörden schaffen es nicht, das Gift aufzuhalten, was wären die Konsequenzen im Donaudelta?

Weller:
Im Fluss selbst gibt es dann wahrscheinlich sehr gravierende Auswirkungen, Fischsterben, die ganze unmittelbare Umgebung ist vergiftet, aber für die Donau selbst ist die Wahrscheinlichkeit, dass es keine direkte Tötung von Fisch geben wird, aber langfristig, dass die Schwermetalle, diese Chemikalien, die eigentlich nicht in die Lebewesen sein sollten, erhöht sind in Fischen und der allgemeinen Umwelt, und das versuchen die ungarischen Behörden zu verhindern.

euronews:
Vor zehn Jahren wurden Teile der Donau nach einem Unglück in Rumänien verseucht. Was hat man seitdem gelernt?

Weller:
Wir haben viel gelernt, die IKSD hat ein Frühwarnsystem, das meldet an anliegende Städte, dass diese dann wissen, dass der Unfall passiert ist, das ist passiert in diesem Fall, wir haben auch verschiedene Absatzbecken saniert, besonders in Rumänien wurde sehr viel investiert wo der letzte große Unfall in Baja Mare stattgefunden hat. Aber es ist allgemein notwendig, dass viel mehr investiert wird in Prävention, nicht die Maßnahmen nach einer Katastrophe zu setzen, sondern vorher, dort sind Investitionen notwendig.

euronews:
Immer wieder gelangen giftige Stoffe in Flüsse. Wie kann man das verhindern?

Weller:
Es ist überhaupt notwendig, dass giftige Substanzen nicht in einer Situation sind, wo sie direkt an einem Fluss gelagert werden, in diesem Fall wird das untersucht, warum eine so giftige Substanz in unmittelbarer Nähe eines Flusses und Ortschaften gelagert wurde, das war eine der Lehren des Baja Mare-Unfalls, dass solche giftigen Substanzen nicht in einem Absatzbecken gelagert werden, das kann irgendwann bersten und das Material entweichen, wir müssen immer schauen, dass solchen Chemikalien nicht in Becken im offenen Gelände gelagert werden.