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5. Eurasisches Energieforum setzt auf Zukunft

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5. Eurasisches Energieforum setzt auf Zukunft

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Astana, die Hauptstadt Kasachstans, war jetzt auch zwei Tage lang die Haupstadt der Energie-Industrie. Die wichtigsten Player der Öl-, Gas-, Atom- und Solar-Energie-Industrie Zentralasiens sind dort zum 5. Eurasischen Energieforum zusammengekommen.

Kasachstans Ministerpräsident, Karim Massimow, betont die Zuverlässigkeit seines Landes als Energieversorger – für Europa und für China: “Wir haben keinerlei Absicht, unsere Energiereserven zu nutzen, um politisch weltweit präsent zu sein. Wir wollen eine dauerhafte und friedliche Entwicklung für unser Land. Deshalb wollen wir ein verlässlicher Energielieferant für Europa sein.” Kasachstan verfügt nicht nur über Energiereserven, sondern auch über die Mittel, sie zu den großen Märkten zu bringen. Etwa mit der Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline, auch als “Energie-Projekt des Jahrhunderts” bezeichnet. Eine Million Barrel Rohöl soll sie täglich vom Kaspischen zum Mittelmeer transportieren.

Timur Kulibajew ist Chef der “Kazenergy Association”. Er betont, dass Kasachstan ein Transitabkommen mit Aserbaidschan unterzeichnet hat, das einen freien Ölfluss in den Westen garantiert. Außerdem will das Land seine Transportkapazitäten nach China ausbauen: “Wir bauen unsere Transportmöglichkeiten zu den europäischen Märkten weiter aus – aber wir haben auch ein neues Ziel: China”, sagt er. Und: “Wir wollen bis 2015 zwei Drittel unserer Energieprodukte nach Europa und ein Drittel zum chinesischen Markt bringen.”

Die Nabucco-Pipeline wird die reichsten Gasfelder der Welt mit Europa verbinden, eine Infrastruktur, die Sicherheit und Zuverlässigkeit bei der Versorgung garantieren soll. Doch die Europäer zeigen sich uneinig. Tschechiens ehemaliger Regierungschef Mirek Topolanek: “Das ist nicht einfach, denn die Europäische Union findet keine Einigung im Hinblick auf den Südkorridor und damit auf den baldigen Bau der Nabucco-Pipeline. Ich denke, das größte Problem der EU ist, dass es keine gemeinsame Energiepolitik gibt. Das ist eines der derzeitigen Ziele der Politiker.” Die Weltwirtschaft verschiebt sich in den Osten.

Dort werden die Menschen immer wohlhabender, sie konsumieren mehr Energie. Wegen seiner Energie-Exporte nach Asien ist die Krise an Australien vorbeigegangen. John Howard, ehemals australischer Regierungschef, meint dazu: “Einer der Gründe dafür, dass Australien die Krise gut überstanden hat, ist die Stärke und Nähe unserer Märkte. Wenn wir über China reden, vergessen wir nie die Wichtigkeit Japans als Exportmarkt. Auch Indien wird immer wichtiger für Australien.

Wir gehören also zu diesem Erdteil, er wird Gravitationszentrum für die Mittelklasse sein, und wir verstehen, dass wir ein wettbewerbsfähiger Player sein müssen.” In Astana hat sich die Industrie um klare Umweltregeln bemüht, doch das Scheitern des Gipfels von Kopenhagen sorgt für Unsicherheit bei profitablen Langzeit-Investitionen.

Deshalb sind die Forderungen des Generaklsekretärs des Weltenergierates, Christoph Frei, klar: “Wir brauchen einen soliden rechtlichen Rahmen, der der Energie-Industrie ein klares Signal sendet. Ohne diesen Rahmen hat die Industrie keine Investitionssicherheit bei Infrakstrukter-Projekten. Das ist ein Desaster für die Industrie.”
Europa hat die Führung bei erneuerbaren Energien übernommen, das sorgt für Wachstum und Jobs.
“Wir werden die eindrucksvollste Veränderung der Menscheitsgeschichte im Energiesektor erleben”, meint Österreichs ehemaliger Bundeskanzler Alfred Gusenbauer. “Derzeit haben wir in Europa einen Konsum von 80 Prozent fossiler Energie und 20 Prozent erneuerbarer. Im nächsten Jahrhundert wird es umgekehrt sein. Das bedeutet eine völlig neue Herausforderung für die Forschung, Entwicklung, Effizienzfragen, den Transport und die politischen Beziehungen.”

Gérma Bejarano ist Direktor für internationale Beziehungen beim spanischen Solar-Energie-Entwickler Abengoa: “Glücklicherweise haben wir uns in Europa schneller zu den sauberen Energien hin bewegt”, sagt er, “wir haben also einen klaren technischen Fortschritt bei Wind-, thermo-solarer und photovoltaischer Energie. Wir sprechen nicht nur darüber, verschiedene Produktionsmethoden zu kombinieren, sondern auch darüber, eine neue Industrie aufzubauen.” Europa wird sicher eine Rolle in schnell wachsenden Ländern wie Kasachstan spielen, das zwar über Rohstoffe verfügt, aber nicht über die nötige Technik und das nötige Know-How, um sein Wachstum zu stärken.

http://www.kazenergy.com