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Auf nach Versailles

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Das Schloss von Versailles war vor kurzem erfüllt mit der Musik, die einst am Hofe des Sonnenkönigs Ludwig XIV. erklang.

Damals spielten die “24 Geigen des Königs”. Was genau damit gemeint ist, das hat uns der Dirigent und renommierte Cembalist Skip Sempe verraten:
“Als Vorlage für das Konzert von heute Abend dient ein Orchester, das im 17. Jahrhundert als eines der besten in ganz Europa galt. Das Orchester von Versailles stand unter der Leitung von Lully, einem der größten Komponisten am französischen Hof.”

Die “24 Geigen des Königs” waren das erste feststehende Orchester in ganz Europa. Seine Blütezeit dauerte rund 150 Jahre. Mitte des 18. Jahrhunderts zog die Musikszene jedoch nach Italien. Streichinstrumente, die der heutigen Bratsche ähneln, verschwanden.

Der französische Bratschist Sylvestre Vergez erklärt, was das heutige Orchester vom damaligen unterscheidet:
“Heutzutage gibt es in einem Symphonie Orchester Cello, Bratsche und zwei Geigenstimmen. Zu Lullys Zeiten gab es insgesamt fünf Orchesterstimmen: Geige, Bratsche, Bratsche, Bratsche und Cello. Es gab damals drei Bratschen-Arten.”

Das Zentrum für Barockmusik in Versailles hat diese speziellen Bratschen nachgebaut. Eine von ihnen ist die ‘quinte de violon’. Vergez kennt die Gepflogenheiten seiner Vorgänger:
“Wir wissen, dass sie damals das Instrument mit einem Gurt hielten oder es an einem Knopf ihres Kostüms festmachten.”

Laut Sempe ist Barockmusik nur etwas für Mutige:
“Die französische Barockmusik hat ein sehr vielfältiges und relativ unbekanntes Repertoire. Es erfordert spezielle Instrumente und ganz bestimmte Musiker, die einen Sinn fürs Abenteuer haben, der den herkömmlichen klassischen Musikern abgeht.”

Vergez hat nicht gezögert, als er zum ersten Mal von dem Projekt hörte:
“Als diese Instrumente vor zwei Jahren nachgebaut wurden, wusste niemand, wie man auf ihnen spielt. Sie suchten nach Freiwilligen. Auf die Frage “Wer will spielen” antwortete ich mit “Ok, ich versuche es.”“

Für Sempe hat die Barockmusik im Laufe der Jahre nichts von ihrem Charme eingebüßt:
“Die Musik aus dem 17. Jahrhundert ist nicht gealtert. Die Musiker und das Publikum finden sie nicht veraltet. Diese Musik ist also immer noch lebendig, sie muss nur wieder zum Leben erweckt werden, und das tun wir.”

Vergez wird wehmütig wenn er an jene Ära zurückdenkt: “Es ist unglaublich, wenn man bedenkt, dass all das hier erfunden wurde und, dass es am Ende mit dem König verschwand.”

In dieser Ausgabe von Musica hörten Sie die Passacaglia da Armida von Jean-Baptiste Lully und Fragmente der Symphonie-Sarabande aus Impatentia von Georg Muffat.